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N° 1254
21. - 27.05.2022

nächste Aktualisierung
am 28.05.2022



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Louise Farrenc, Julia Frances Smith, Mélanie Hélène Bonis u. a.

„Itʼs a Girl!” (Klaviertrios)

Thomas Albertus Irnberger, David Geringas, Barbara Moser

Gramola/Naxos 99225
(62 Min., 12/2019) SACD

„Ich hätte nie geglaubt, dass eine Frau fähig ist, so etwas zu schreiben. Sie kennt alle Tricks unseres Handwerks.“ Für diesen Satz hätte sich selbst ein Camille Saint-Saëns heute eine blutige Nase abgeholt. Im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts blieben solche Worte hingegen ohne offizielle Folgen. Und die von Saint-Saëns Hochgelobte, die von César Franck geförderte Komponistin Mélanie Hélène Bonis – ihr dürfte diese Formulierung ziemlich egal gewesen sein. Hauptsache, sie konnte den Übervater der französischen Hochromantik mit einem Klavierquartett begeistern. Auf der Klaviertrio-CD „Itʼs a Girl!“ (hübscher Titel!) ist Bonis nun mit den zweisätzigen Werk „Soir – Matin“ vertreten. Und der delikat schimmernde Feingeist, der sich da leicht impressionistisch durchschlängelt, kann absolut mit dem mithalten, was Bonisʼ einstiger Kommilitone Debussy für die Kammermusik geschrieben hat.
Fünf Komponistinnen stehen im Mittelpunkt dieses Programms, von ihnen sind Louise Farranc sowie Amy Marcey Beach die bekanntesten. Von der Französin Farranc erklingt ein Klaviertrio, das trotz seines Entstehungsjahres 1857 mit mindestens einem Bein in der Klassik steht. 1938 setzte sich die Amerikanerin Beach sodann an ein Werk, das von Ferne einer Huldigung an Johannes Brahms gleichkommt. Ebenfalls aus den USA stammte Julia Frances Smith, die 1966 ihr springlebendiges, auch mit Blues- und Tangofarben dekoriertes „Trio Cornwall“ schrieb. Und mit „Ein wenig Musik“ betitelt ist die Pièce der russischstämmigen Sonia Eckhardt-Gramatté, die bei der Entstehung des Stücks 1910 gerade mal 11 Jahre alt war. Doch sie besaß schon da ein Gespür für elegische Zauberstimmungen, die selbst arrivierten Tonsetzern vom Schlage eines Saint-Saëns nicht ständig aus der Feder geflossen sind. Auch dank des einfühlsamen wie tonschönen Spiels von Geiger Thomas Albertus Irnberger, Cellist David Geringas sowie Pianistin Barbara Moser ist somit eine Aufnahme entstanden, die erst die Neugierde weckt und dann sofort begeistert.

Guido Fischer, 07.08.2021



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