home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Responsive image
Felix Mendelssohn Bartholdy

„Erwachen“ (Lieder)

Robert Pohlers, Friedrich Praetorius

Genuin/Note 1 GEN27146
(45 Min., 7/2020)

In Felix Mendelssohns Œuvre haben Klavierlieder einen etwas anderen Stellenwert als in Franz Schuberts: Zwar wurden sie hier wie dort im salonmusikalischen Umfeld aus der Taufe gehoben, aber bei Schubert erreicht das Lieder-Komponieren schon früh partiell ein bemerkenswertes existentielles Gewicht, wodurch seine Lieder dann bald schon das ganze Elend feinsinniger und einsamer Seelen in einer schwierigen Zeit mit voller Wucht zu repräsentieren vermögen. Bei Mendelssohn hingegen überwiegt dagegen der Charakter des leicht Dahingeworfenen, der unbeschwerten Freude am Virtuosen (besonders in manchen Klavierbegleitungen), der Unterhaltsamkeit auf bemerkenswertem Niveau. Das schmälert keineswegs den Wert dieser Lieder, denn es handelt sich um höchst gelungene, mitreißende Kleinode, die sowohl im Gesangs- wie auch im Klavierpart durchaus so manche Herausforderung enthalten. In diesem Sinne nähern sich der Tenor Robert Pohlers und sein Klavierbegleiter Friedrich Praetorius mit beträchtlicher Gewandtheit und Eleganz diesem sing- und spielfreudigen Repertoire. Sie servieren einen frohen Reigen weitgehend wenig bekannter Gesänge (das „Venetianische Gondellied“ dürfte das populärste der hier präsentierten Lieder sein) in genau jenem Tonfall, der einen imaginär in einen der berühmten Salons des Berliner Großbürgertums in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts führt. Pohlers singt sehr textaffin mit einer leicht geführten, hell timbrierten Stimme. Der hohe Kopfstimmanteil seines Timbres ermöglicht eine Wohlklang-orientierte Geschmeidigkeit, die wirklich Freude macht – auch wenn gelegentlich leicht aspirierte Melismen ein klein wenig ungelenk wirken. Friedrich Praetorius hängt als überaus wacher und flexibler Begleiter stets quasi an des Sängers Lippen – die schwerelose Flüssigkeit des Vortrags ist in hohem Maße auch ein Verdienst seiner Begleit-Kunst.

Michael Wersin, 21.08.2021



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top