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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Side-Eye NYC (V1.IV)

Pat Metheny

Modern Recordings/Warner 4050538693928
(63 Min., 9/2019)

In einem extensiven Interview mit dem YouTube-Star Rick Beato erklärte Pat Metheny unlängst, wie wichtig es für ihn gewesen sei, den Vibrafonisten Gary Burton als Mentor am Anfang seiner Karriere an seiner Seite gewusst zu haben. In einem Alter, in dem andere in Rente gehen, will der gerade 67 Jahre alt gewordene Metheny nun ein ähnlicher Karrierekatalysator für die junge Improvisatoren-Generation der Gegenwart sein. Vor allem die Talente aus New York haben es dem Gitarristen angetan; dort sieht er momentan eine ähnliche Leistungsexplosion wie seinerzeit mit dem Erscheinen von Joshua Redman, Brad Mehldau, Christian McBride und Antonio Sanchez.
Die Besetzung, mit der Metheny seine Auseinandersetzung mit den neuen jungen Löwen nun zum ersten Mal auf Tonträger präsentiert, ist allerdings eine uralte: das Orgel-Trio. Bis auf den mit wabernder Hammond unterlegten Shuffle „Timeline“ klingt jedoch keine der im September 2019 bei einem Konzert in der Sony Hall im New Yorker Hotel The Paramount aufgenommenen Stücke nach Jimmy-Smith-Wiederbelebung.
Was zum einen daran liegt, dass der fabelhafte Basslinien produzierende Keyboarder James Francies viel zu modern denkt. Und zum anderen daran, dass der Bandleader viel lieber Pat-Metheny-Wiederbelebung betreibt. Mehr als die Hälfte der Nummern auf der Einspielung sind nämlich Klassiker aus dem Songbook des Gitarristen, etwa „Bright Size Life“ oder „Sirabhorn“ von seinem 1976 veröffentlichten Debütalbum. Beide Live-Versionen wirken dank Franciesʼ wohlig schnurrenden Fretlessbass-Emulationen im Geiste von Jaco Pastorius sowie Marcus Gilmores feingliedrigem Schlagzeugspiel aufgeräumt und frisch.
Gleiches lässt sich auch von „Better Days Ahead“ und dem swingigen Ornette-Coleman-Blues „Turnaround“ sagen, die ebenfalls schon ewig zu Methenys Repertoire gehören. Aber auch die Neukompositionen auf „Side-Eye NYC (V1.IV)“ sind voller Seitenblicke auf Vergangenes. Die mit flirrenden Perkussionselementen aus dem Orchestrion-Projekt des Gitarristen versehenen „It Starts When We Disappear“ und „Zenith Blue“ nehmen sich aus wie gute alte Bekannte aus den Glanzzeiten der Pat Metheny Group. Und die lustig völlig aus dem Rahmen fallende Rocknummer „Lodger“ wirkt so, als sei Jimi Hendrix aus Versehen in eine Aufnahmesession von Pink Floyd geraten.
Fazit: Das alles macht zweifellos Spaß – gerne würde man künftig aber noch mehr Eigenes von Methenys Protegés hören.

Josef Engels, 25.09.2021



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