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N° 1282
03. - 09.12.2022

nächste Aktualisierung
am 10.12.2022



Ob die lang überfällige Hommage an die Grenzüberschreiterin Marian Anderson (1897-1993) durch die Sony, wo ihr klingendes Erbe heute liegt, so opulent ausgefallen wäre, fügte sie sich nicht passgenau ins gegenwärtige Bewusstsein des „Black Life Matters“? Egal. Die legendäre amerikanischen Altistin, die 1955 als erste Schwarze endlich auf die Met-Bühne durfte – allerdings lange nach ihrem Zenit und nur als obskure Wahrsagerin Ulrika in Giuseppe Verdis „Maskenball“ – und die 1961 bei der Amtseinführung von John F. Kennedy sang, hat diesen effektvollen Auftritt mit solch opulenter Box verdient. Eine Box, die viel in Wort und Bild und natürlich auch Ton über „Anderson – Beyond the Music“ erzählt. Eigentlich war die Tochter aus schwarzem Mittelklassehaus Konzertsängerin, das ging damals, wenn man die rigiden Rassentrennungsmaßnahmen des Klassik-Amerikas beachtete. Eines der Glanzstücke dieser dunkel strömenden, fülligen, weiblichen, nicht nur warmen, zuweilen auch respektabel dröhnenden Stimme war etwa Johannes Brahms’ „Altrhapsodie“, die gleich in mehreren Interpretationen vorliegt. Auf den 15 spannenden CDs gibt es auch sonst viel Repertoirewiederholung, denn am besten entfaltete sich diese doch ein wenig schwere Stimme in Oratorienarien und in Liedern von Brahms, Schubert, bei Mahler und Strauss. Wenige Opernausschnitte sind dabei, aber auch Weihnachtslieder. Und natürlich nehmen auch gefühlvoll, aber stets mit klassisch domestizierter Note interpretierte Spirituals einen Großteil des dokumentierten Anderson-Katalogs ein. Und allein der großformatige 228-seitige Begleitbildband, der sehr schön auffächert, wie hier am Beispiel von Marian Anderson ein black artist’s life ein Land mitverändert hat, der war auch schon ohne jede Diversity-Mode die gewaltige Rechercheleistung wert.

Matthias Siehler, 09.10.2021



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