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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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George Enescu, Modest Mussorgski, Alexander Borodin

Suite Nr. 2, „Bilder einer Ausstellung“, Nocturne

Alexander Krichel

Berlin Classics/Edel 0302072BC
(68 Min., 5/2021)

Im Zentrum des neuen Albums von Alexander Krichel steht unüberhörbar groß und mächtig natürlich Mussorgskis Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“. Ein x-fach gespielter Klassiker sondergleichen. Doch bei Krichel lernt man nun nicht nur all die vertrauten Stücke von einer bisweilen neuen Seite und Tiefe kennen: Wie etwa „Das alte Schloss“, das da bei Krichel ganz einsam und verlassen liegt und durch das monoton ein Todesglöcklein hallt. Oder auf dem „Marktplatz“ herrscht nun eine Ausgelassenheit und Quirligkeit herumtollender Kinder, als hätte Sempé hierfür die Vorlage geliefert. So sehr Krichel es schafft, auch solche Bilder im Kopf so ganz ohne Effekt und Nachdruck auszulösen bzw. nachhallen zu lassen, so ist dies aber nur die eine Seite seiner gelungenen Einladung, sich mal wieder auf das Mussorgskische Schlachtross einzulassen. Die zweite Seite, bei der auch der Feingeist und der exquisite Klangfarben-Künstler Krichel auftrumpft, speist sich gleichermaßen aus den beiden Klavierwerken, mit denen er Mussorgskis Opus Magnum einrahmt. Am Anfang steht mit der 2. Suite des Rumänen und Wahl-Parisers George Enescu ein viersätziger Flirt mit dem Barockmusikerbe. Zum Schluss erklingt dann ein Nocturne von Alexander Borodin, der zwar mit Mussorgski zur Komponisten-„Gruppe der Fünf“ gehörte. Doch dieses Nocturne ist diesmal nicht simples Zeugnis einer Chopin-Schwärmerei, die gerade bei den Russen vermehrt herrschte. In dieser Miniatur findet sich bereits jenes impressionistische Kolorit, das später Enescu in Paris einatmen und in seine Suite einfließen lassen sollte. Und in dieser Umgebung empfindet man Mussorgskis Original einfach als ungemein modern. Kein Wunder, dass sich Enescus enger Freund Ravel später noch an eine Orchestrierung setzen sollte.

Guido Fischer, 23.10.2021



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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