Responsive image
Georg Friedrich Händel

Sämtliche Blockflötensonaten

Alan Davis, David Ponsford

Guild/Musikwelt GMCD 7301
(78 Min., 5/2000) 1 CD

Die Wiedererweckung der Blockflöte im 20. Jahrhundert als Medium musikalischer Früherziehung hat dem Ansehen dieses Instrumentes womöglich mehr geschadet als genutzt, wenngleich man differenzieren muss: Wer in einer Jugendmusikschule die schrillen und unsauberen Anfänge des Flötens überwunden und trotzdem das Interesse nicht verloren hatte, der drang im Einzelunterricht schnell zu barocker Sololiteratur vor, mit der sich bei entsprechender spielerischer und interpretatorischer Begabung doch einiges anfangen lässt. Alan Davis und David Ponsford demonstrieren das am Beispiel von Georg Friedrich Händels Flötensonaten, an die sich so mancher aus Musikschultagen noch gut erinnern wird. Dass dieses Repertoire - ganz anders als die Kammermusik Bachs - ausgiebig zu verzieren sei, hat man seinerzeit gewusst oder zumindest erahnt und hat vielleicht selbst beherzte Versuche in diese Richtung unternommen. Alan Davis zeigt mit musikantischer Spielfreude die Möglichkeiten der Ausgestaltung von Händels im Original teils recht nüchternen und nackten Linien mittels Trillern, Durchgängen etc.; David Ponsford beteiligt sich am Extemporieren bei der Aussetzung der rechten Hand seines Cembalo-Continuoparts. Für den Geschmack des Autors dieser Zeilen könnte auf dieser improvisatorischen Ebene fast noch etwas mehr geschehen: Die wenigen barocken Originalquellen zeigen, dass gerade in den langsamen Sätzen solcher Sonaten die musikalische Grundsubstanz wirklich kaum mehr als eine elementare Orientierung für das bot, was dann tatsächlich zu erklingen hatte.
Ansonsten gibt es nicht viel zu mosern an dieser Aufnahme: Immer wieder überrascht professionell erzeugter Blockflötenklang durch seine angenehme Rundung bei völliger Abwesenheit alles Schrillen, ferner durch jene weiche Schwere, die zustande kommt, wenn der Spieler nicht einfach hineinpustet, sondern das Anblasen direkt vom Zwerchfell aus steuert. Eine erfreuliche, eine wirklich wohltuende Hörerfahrung.

Michael Wersin, 01.12.2006



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zwei geniale Geiger auf einer CD vereint, die die Welt der Klassik und die des Jazz miteinander verbinden, als wäre es das natürlichste der Welt. Einfach toll! Stéphane Grappelli, der französische Geigenvirtuose, weitgehend Autodidakt, aber übersprudelnd vor musikalischen Ideen traf 1973 erstmals auf den acht Jahre jüngeren Yehudi Menuhin, ehemals Wunderkind und damals längst Geigen-Legende. Grappelli hatte mit dem Quintette du Hot Club de France die Clubs aufgemischt, Menuhin die […] mehr »


Top