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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Christmas

Till Brönner, Frank Chastenier, Christian von Kaphengst

Masterworks/Sony 19439888102
(49 Min., 6/2021)

Till Brönner mag Weihnachten offensichtlich sehr gerne. Während es die meisten Kolleginnen und Kollegen im Regelfall dabei bewenden lassen, einmal in ihrer Karriere ein Album zur Gabentischbeschallung aufzunehmen, schlägt der Trompeter nun schon zum zweiten Mal zu. Und das durchaus mit einer gewissen Rechtfertigung. Denn der Kontrast zwischen seinem ungemein opulenten, 2007 veröffentlichten „The Christmas Album“ und dem Nachfolger „Christmas“ (bzw. „Till Christmas“, wie es die Cover-Gestaltung sprachgewitzt nahelegt) könnte nicht größer sein.
Statt eines Orchesters mit allem Drum und Dran hört man nun bloß drei Männer im Schnee. „Wir haben uns nach diesem besonderen Jahr ganz bewusst gegen ein Album mit bombastisch-überladenen Coverversionen für rauschende Feste entschieden“, sagt Brönner über die Einspielung, auf der er sich an der Seite von Pianist Frank Chastenier und Kontrabassist Christian von Kaphengst zuvorderst von seiner kammermusikalischen Seite zeigt. Mit großer Bescheidenheit und Demut spielen die drei Musiker deutsche und amerikanische Klassiker, Stücke von George Michael („Jesus to a Child“ statt des obligatorischen „Last Christmas“) und Johann Sebastian Bach („Ich steh’ an deiner Krippen hier“) sowie das Schlaflied „LaLeLu“. Einmal tritt Sänger Max Mutzke hinzu und interpretiert mit nobler soulig-bluesiger Zurückhaltung „Christmas Time Is Here“.
Der Aufnahme sind deutlich die Erfahrungen anzuhören, die Brönner in der Vergangenheit in den intimen Duo-Konstellationen mit Bassist Dieter Ilg und Schlagzeuger Günter Baby Sommer machen konnte. Dementsprechend aufmerksam und sensibel lässt er sein Flügelhorn und seine gestopfte Trompete erklingen. Da fließen die Töne quecksilbrig-weich wie in „Silent Night“, das von Pianist Chastenier radikal umarrangiert und popjazzig modernisiert wurde, lösen sich wie Schneeflocken an einer weihnachtlich erleuchteten Fensterscheibe auf wie im katholischen Kirchenlied „Maria durch ein Dornwald ging“ oder erinnern in „Have Yourself a Merry Little Christmas“ an die hirtenhafte Sparsamkeit eines Chet Baker.
Doch immer, wenn es zu weihevoll zu werden droht, schlüpft Brönner in die Rolle des frechen Weihnachtsengels. Bei „It's Beginning to Look a Lot Like Christmas“, „Silver Bells“ und vor allem dem harmonisch elfenhaft-verschlagen arrangierten „Jingle Bells“ bläst er jeglichen Kummer verspielt swingend weg. Es ist nicht zuletzt diese Mischung aus innehaltender Ernsthaftigkeit und unkitschigem Optimismus, die „Christmas“ zur perfekten Weihnachtsplatte für dieses erneute Seuchenjahr macht.

Josef Engels, 27.11.2021



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