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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



Seit dem späten 19. Jahrhundert ist Jean-Philippe Rameau wieder verstärkt in den Blick seiner Landsleute geraten: Mit ihm in seiner Doppelfunktion als herausragender Komponist und bedeutender Musiktheoretiker hatte man einen Anknüpfungspunkt an die eigene Musikgeschichte und konnte sich ein wenig von der Übermächtigkeit der allgegenwärtigen deutschen Tradition lösen. Weit über hundert Jahre später gibt es, so beweist die vorliegende Produktion, in Sachen Rameau immer noch Schätze zu heben: 1751 erklang die Pastorale héroїque „Achante et Céphise“ anlässlich der Geburt des Prinzen Louis-Joseph-Xavier. Eine kritische Notenausgabe des Stückes gibt es seit 1996. Aber erst im Zuge der vorliegenden Produktion hat man sich mit wünschenswerter Sorgfalt dem Stück als Ganzem angenommen – eine Sorgfalt, die man schon beim Hören der Ouvertüre zwangsläufig zur Kenntnis nimmt: Wundervoll ist das akustische Panorama dieser mit historischen Instrumenten üppig besetzten Musik, die kraftvolle Bass-Ebene mit herrlichem Fagott-Sound sticht ebenso hervor wie die erstklassig besetzte Horngruppe und das Ensemble aus sechs historischen Klarinetten, die eigens für diese Produktion rekonstruiert worden sind. Nach diesem Auftakt kann es nur beglückend weitergehen, und so ist es auch: Die Allerweltsgeschichte vom Liebespaar Achante und Céphise, das vom bösen Oroès gequält wird und von der guten Fee Zirphile zunächst nur unzureichend geschützt werden kann, entfaltet sich mit solchem Charme, dass man gar nicht mehr wegkommt von der Anlage. Das ist natürlich einerseits Rameaus Musik zu verdanken, andererseits aber auch der erstklassigen Sängerbesetzung, die die vokale Ebene effektvoll zum Leben erweckt: Sabine Devieilhe und Cyrille Dubois als titelgebendes Liebespaar bilden auch in puncto Timbre ein erstklassiges Duo, denn Dubois’ hoher Tenor mischt sich völlig reibungsfrei mit Devieilhes angenehm körperhaftem, nicht allzu barock geführtem Sopran. David Witczaks Bariton hat für die Rolle des Oroès durchaus heldisch-verführerisches Potential, er geriert sich nicht als monströser Bösewicht wie etwa Händels Polyphem. Angenehm timbriert ist auch Judith van Wanroij in der Rolle der Zirphile, ähnlich wie Sabine Devieilhe ist sie dem Vibrato nicht abhold. Wie barock das etwa im Zusammenspiel mit ganz gerade intonierten Streicherakkorden tatsächlich ist, soll an dieser Stelle nicht zum Gegenstand einer Grundsatzdiskussion gemacht werden.

Michael Wersin, 04.12.2021



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