home

N° 1290
28.01. - 03.02.2023

nächste Aktualisierung
am 04.02.2023



Responsive image
Georg Friedrich Händel, Domenico Scarlatti

„Händel, Scarlatti“ (Cembalowerke)

Pierre Hantaï

Mirare/harmonia mundi MIR 560
(69 Min., 1/2020)

Man höre und staune: Die hohe Kunst des Cembalospiels entfaltet sich hier auf faszinierend vollkommene Weise. Akkorde zu brechen gehört am Cembalo zu den wichtigsten über das im Notentext Vorgeschriebene hinausgehenden interpretatorischen Maßnahmen. Akkorde brechen, aber nicht nur aufwärts, sondern auch abwärts sowie unter Hinzuziehung anderer Finessen wie variable Brechungsgeschwindigkeit oder interne Modifikation der Ton-Abfolge – auch das ist üblich, gehört aber in der stupenden Flexibilität, die Pierre Hantaï an den Tag legt, definitiv in den Bereich der höheren Weihen. Eng verwandt mit der Akkordbrechungskunst ist freilich die Verzierungskunst, das Anbringen zahlloser kleiner Ornamente, die den vergleichsweise nüchtern daherkommenden Notentext erst zu dem machen, was sich die Komponisten vielleicht vorgestellt haben mögen – Gewissheit haben wir darüber ja nicht. Ganz gewiss ist allerdings, dass Pierre Hantaї diese „musica ficta“-Ebene so organisch und elegant bewältigt, dass sie ein Höchstmaß an rhetorischer Dichte erreicht und zu einer eigenen sprachlichen Ebene innerhalb der musikalischen Sprache der Werke von Domenico Scarlatti und Georg Friedrich Händel wird, die er auf diesem Album vorstellt. Bester Beweis ist seine eigene Bearbeitung der Ouvertüre von „Il pastor fido“, die am Anfang des Programms steht: Hantaї vereinnahmt die musikalische Substanz dieses Orchesterstücks so selbstverständlich für das Cembalo, als sei sie für dieses Instrument komponiert. Und von hier aus geht es weiter durch zwei Suiten von Händel und sieben Sonaten von Scarlatti, stets höchst musikantisch und gleichzeitig überaus kunstvoll, so dass es eine einzige Freude ist – eine Demonstration, was Musik als solche überhaupt sein kann und sein sollte.

Michael Wersin, 11.12.2021



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Auf Anregung seines Lehrers Carl Friedrich Zelter schrieb der blutjunge Felix Mendelssohn Bartholdy im Alter von 12 bis 14 Jahren zwölf Streichersinfonien im Zeitraum von 1821 bis 1823. Diese Werke bildeten sein Übungs- und Experimentierterrain für den musikalischen Satz, die Instrumentation und die sinfonische Form. Mendelssohn überschrieb die Stücke, die er mal mit drei und mal mit vier Sätzen gestaltete, wechselweise mit „Sinfonia“ oder „Sonata“. In ihnen fand die […] mehr


Abo

Top