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Georg Friedrich Händel

Handel Arias

Russell Oberlin, The Baroque Chamber Orchestra, Thomas Dunn

DG/Universal 477 6541
(47 Min., 2/1959) 1 CD

Es ist nicht so, dass Andreas Scholl und seine Kollegen nun einpacken müssten – aber als vor dem Hintergrund des Aufnahmedatums überraschend ausgereift muss man doch das bezeichnen, was der amerikanische Countertenor Russell Oberlin schon 1959 auf Tonträger zu bannen in der Lage war. Oberlin wurde 1928 geboren und absolvierte die Juilliard School, um danach eine glanzvolle, aber kurze Karriere als Altus zu machen; schon mit 36 Jahren zog er sich aus dem Konzertleben zurück – eine fast 30 Jahre währende Lehrtätigkeit am Hunter College der City University of New York schloss sich an. Oberlin verfügte über eine ungemein wohl timbrierte, kraftvolle Altstimme mit gelegentlich leicht eingeengter Vollhöhe und bruchlosem Übergang in die tiefe Lage, die er in der vorliegenden Sammlung mit großer technischer Souveränität durch Händels Kantilenen steuert. Seine Fähigkeit zur "Klangrede", zur organischen Verbindung von Sprachduktus und Melos, ist in zeittypischer Weise noch ein wenig durch "romantisches" Barockempfinden behindert: In der Linienführung überwiegt das dichte Legato, die möglichst ausdrucksvolle Gestaltung von Phrasen und Einzeltönen orientiert sich nicht immer am Wortakzent. Im da Capo bringt er immerhin Verzierungen an, die allerdings teilweise von recht hölzerner Faktur sind. Streckenweise singt er etwas zu tief. Akzeptiert man diese Einschränkungen und vor allem den zeitgebundenen Aufführungsstil, dann vermittelt Russell Oberlins Stimme ein durchaus faszinierendes Gesangserlebnis der ungewöhnlichen, der besonderen Art. Für die Geschichte des Countertenorgesangs ist seine große Bedeutung ohnehin unbestritten.

14.04.2007



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