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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Georg Friedrich Händel

Neun deutsche Arien, Oboensonaten

Carolyn Sampson, The King’s Consort

Hyperion/Codaex CDA67627
(70 Min., 10/2006) 1 CD

Der Autor dieser Zeilen ist kein Schallplattennostalgiker, sondern hat sich ganz an die CD als Träger klassischer Klänge gewöhnen können. Dennoch besitzt er aus früheren Zeiten eine große Schallplattensammlung – und dazu einen derzeit nicht betriebsbereiten Plattenspieler. Das stört die meiste Zeit nicht weiter, denn vieles, was ehemals auf Schallplatte zu haben war, gibt es mittlerweile längst auf CD. Zu den bedauerlichen Ausnahmen zählt allerdings Emma Kirkbys fantastische Einspielung von Händels "Neun deutschen Arien" – sie wurden wohl niemals auf CD gepresst, sondern verschwanden in den 80ern schnell wieder vom Markt. Die Schallplatte schlummert im Plattenschrank des Rezensenten und kann auch zum Vergleich mit der vorliegenden Neueinspielung nicht herangezogen werden, wiewohl sie wehmütige Erinnerungen wachruft: Emma Kirkby vermochte es, aus der Fülle ihrer stimmlichen Möglichkeiten eine quicklebendige, musikalisch-rhetorisch schier vollkommene Vorstellung zu bieten, die in den da-Capo-Abschnitten mit großer Einfallskraft und atemberaubender Virtuosität ausgeziert war. Das war damals eine Sensation, hatten sich doch zuvor nur eine Handvoll biederer Vibratoschleudern, begleitet von den üblichen, fälschlich "Cembalo" genannten Drahtkommoden der 70er Jahre und heiser rauschenden Böhm-Flöten, dieses zauberhaften Repertoires angenommen. 
Heute nun erlebt die Generation Kirkby auch schon ihre Abenddämmerung, und neue Kräfte mit frischen Ideen müssen ans Werk. Eine von ihnen ist die Engländerin Carolyn Sampson; sie legt nun eine begeisternde Neueinspielung der "Neun deutschen Arien" vor. In puncto Verzierungen, die auch sie zur Freude des Hörers ausführlich zu Gehör bringt, agiert sie völlig unabhängig von Kirkbys großer Vorgängeraufnahme (ob sie die wohl kennt?); sie brilliert mit ganz neuen, oft überraschenden oder gar überrumpelnden Ideen. Es sei dahingestellt, ob die immer ganz "barock" im streng historischen Sinne sind – wer vermöchte das auch im Einzelfall entscheiden? Unterhaltsam sind sie allemal, und sie werden technisch perfekt präsentiert. Vorzüglich gelingt Frau Sampson auch die Verbindung von Text und Melos, und dies alles auf der Basis einer wirklich wohlklingenden, in allen Lagen gut durchgebildeten Stimme. Was könnte man darüber hinaus noch wollen?
Am Tasteninstrument begleitet kreativ der inzwischen leider unter schlimmen Verdacht geratene Robert King – hoffentlich nicht der Abgesang auf seine Traumkarriere. Die Geigerin Stéphanie-Marie Degand profiliert sich mit ihrer sensiblen, stark am Vokalen orientierten Spielweise als perfekte Partnerin von Carolyn Sampson auf Diskantebene. Kein Zweifel: Nun leben sie wieder, die "Neun deutsche Arien" – mit diese Aufnahme werden sie in aller Munde sein.

Michael Wersin, 28.07.2007



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