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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Francesco Cavalli, Alessandro Stradella, Marc Antonio Cesti, Cristofaro Caresana, Francesco Provenzale u. a.

„Tormento d’amore“ (Arien und Sinfonien)

Ian Bostridge, Cappella Neapolitana, Antonio Florio

Warner 0190295037079
(69 Min., 6/2020)

Auch an Ian Bostridge, inzwischen 57 Jahre alt, geht die Zeit nicht umstandslos vorüber. Dennoch ist der englische Tenor weiterhin im Aufnahmestudio aktiv. Obwohl der noch in EMI-Zeiten geschlossene Exklusivvertrag schon lange ausgelaufen ist – so kehrt der Brite, der zuletzt für Pentatone reizvolle Raritäten aus dem Respighi-Liedschaffen eingespielt hat, immer wieder zum Stammhaus zurück. Seine jüngste Veröffentlichung dort erzählt vom „Tormento d’amore“, doch wird die „Liebesqual“ nie klanglich verifiziert. Sie bleibt feine Metapher für eine Sammlung von gar nicht so seltenen Tenorarien von Meistern der venezianischen Oper wie Cavalli oder Cesti, bis hin zu deren Schülern an Neapels Klanggestaden, darunter Francesco Provenzale oder Leonardo Vinci. Wobei der Liedmeister Bostridge zweifach die Komfortzone verlässt. Oper singt er sowieso nur selten, und noch ausgewählter waren seine Barockpartien. Anderseits kommt seiner nicht mehr allerfrischesten Stimme die instrumentale Übersichtlichkeit in Gestalt der elfköpfigen Cappella Neapolitana entgegen, praktikabel angeleitet von Antonio Florio. Zudem wird barock tief gestimmt, während sich auch die Arien kaum vokale Höhenflüge leisten, um den damaligen Kastraten- und Sopranstars den Vortritt zu lassen. Trotzdem finden sich hier abwechslungsreiche Arien, zum Teil sogar elf Minuten lang, wie „Gelido in ogni vena“, wie sie Antonio Vivaldi 1731 seinem Titelhelden der Oper „Farnace“ in die Kehle komponierte. Bostrigde macht mit nuancenreich dezenter Gestaltungskultur wett, was ihm inzwischen an Farbschattierungen fehlt. Und er überrascht am Ende sogar mit einem frechen neapolitanischen Chanson, von einem als Spion eingesetzten „Stieglitz“.

Matthias Siehler, 19.02.2022



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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