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N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



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„Weave“

Lariza

Double Moon/Bertus DMCHR71403
(46 Min., 11/2020)

„Ist das noch Jazz?“, fragt die Saxofonistin Angelika Niescier im Booklet nicht ganz zu Unrecht: Schließlich nimmt sich „Gaia“, der Auftakt des offiziellen Debütalbums des Kölner Quintetts Lariza, zunächst eher wie geschickt montierter Art-Pop à la Sophie Hunger oder Esperanza Spalding aus.
Doch je tiefer man in die Welt der von der Sängerin Lena-Larissa Senge gegründeten Band eintaucht, desto klarer wird der ihr zugrunde liegende Jazz- und E-Musik-Bezug: In den solistischen Saxofonausbrüchen Lorenz Schönles scheint immer wieder mal eine gehörige Portion John Zorn durch, während Gitarristin Raissa Mehner in ihren Improvisationen gekonnt zwischen flüssigem Wohlklang und kratzbürstigen Fred-Frith-Attacken wechselt. Und auch die Bandleaderin zeigt deutlich ihre jazzakademische Prägung mit Scat-Diplom und Norma-Winstone-Lyrik-Seminar.
In Kombination mit dem Einsatz von Synthesizern, E-Drums oder dem E-Saxofon EWI ergibt sich daraus ein eigentümliches Gemisch, das sich zwar sonisch dem Pop annähert, inhaltlich aber eher der Avantgarde verpflichtet ist. Gewöhnliche Songstrukturen oder handelsübliche Instrumentenrollen (so wird das Saxofon zuweilen zum Taktgeber, die Gitarre zur Sängerin und die Stimme zu einem wiederkehrenden Keyboard-Ton) sind ganz klar nicht die Sache von Lariza.
Gleichwohl wirken auf „Weave“ die Stücke am rundesten, die am wenigsten auf Unorthodoxie um jeden Preis schielen: das humorvolle „Junonia“ beispielsweise oder das an Emma-Jean Thackrays kosmischen Souljazz erinnernde „I Wish I Were a River“. Da zeigt die Band jene Qualität, die ihr von ihrer Mentorin Niescier ebenfalls völlig zu Recht attestiert wird: dass sie nämlich mit Freude Grenzen verwischt. Man darf gespannt sein, welche Konturen das Quintett dabei in Zukunft noch freilegen wird.

Josef Engels, 19.02.2022



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