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Gustav Holst

Orchesterwerke

London Symphony Orchestra, Richard Hickox

Chandos/Koch Chan 9420
(58 Min.) 1 CD

Gustav Holst tat recht daran, dem enormen Erfolg seiner "Planeten" (1914-17) von Anfang an zu misstrauen. Die spätromantisch-impressionistische Tonsprache dieser Orchestersuite bedeutete für ihn nur eine Durchgangsstation - seine späteren, harmonisch und rhythmisch weit kühneren Werke wurden jedoch vom Publikum mit Ratlosigkeit aufgenommen. Nun sind Kompositionen wie "Hammersmith" (1930), ohne tatsächlich modern zu klingen, tatsächlich recht dornig; sie verweigern sich jedem Effekt.
Wenn Holsts späte Werke gelegentlich etwas unpersönlich wirken mögen, so ist dieser Eindruck wohl beabsichtigt. Schon in den "Planeten" sind die stärksten Momente jene, in denen sich jegliche kompositorische Individualität quasi im All verflüchtigt. Holsts Beschäftigung mit indischer Philosophie hat den Charakter seiner Musik wesentlich mitbestimmt. Beispielhaft für seinen Reifestil ist das Orchesterstück "Egdon Heath" (1928): Diese Musik ist geradezu provozierend unspektakulär und beschwört auf faszinierende, beinahe bedrückende Weise eine menschenleere Landschaft herauf. In ihrem gedämpften Misterioso-Charakter wirkt die Partitur wie eine Vorahnung der langsamen Sätze Bartóks.
Wie auch die anderen Stücke der CD erfährt das Werk durch Richard Hickox eine ebenbürtige Interpretation - vielleicht getragener, als dies unbedingt sein müsste, doch außerordentlich klangschön und stimmungsvoll.

Thomas Schulz, 28.02.1996



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