home

N° 1253
14. - 20.05.2022

nächste Aktualisierung
am 21.05.2022



Responsive image
Georg Friedrich Händel

„dualità“ (Arien)

Emőke Baráth, Artaserse, Philippe Jaroussky

Erato/Warner 9029637062
(72 Min., 7/2021)

Sie arbeiteten praxisorientiert, die Komponisten der Barockzeit – das heißt, die konkrete kompositorische Ausarbeitung eines Werkes orientierte sich immer auch an den aufführungspraktischen Möglichkeiten, die zur Verfügung standen. Im Londoner Opernbetrieb zur Zeit Georg Friedrich Händels war das Publikum auf den italienischen Geschmack gekommen, für einige Zeit jedenfalls, und Händel beziehungsweise seine Geldgeber konnten es sich leisten, erstklassige Kräfte vom Festland zu holen. Das waren für die Besetzung der Frauenstimmen-Lage nicht in erster Linie Kastraten, sondern tatsächlich Frauen. Verwirrenderweise verkörperten diese aber nicht nur Frauenfiguren, sondern oft auch männliche Helden. Händel war willens und in der Lage, jeder der Damen – der Bordoni, der Cuzzoni, der Durastante etc. – virtuose Koloraturen und ausdrucksstarke Kantilenen auf den Leib zu schreiben und dabei auch gelegentlich, so ist es anekdotisch überliefert, gewisse Zickigkeiten mit drastischen Worten und Tatandrohungen zu quittieren. Für einige Jahre bot er auf diese Weise den Besten der Besten regelmäßig Arbeit, und das Londoner Publikum dankte es ihm mit entsprechender Begeisterung und Nachfrage.
Die Stärke der Sopranistin Emőke Baráth, die sie im vorliegenden spektakulären Rezital unter Beweis steht, besteht nun darin, eine Vielzahl von Männer- und Frauenfiguren, die von Händel für ganz unterschiedliche Sägerinnen kreiert worden sind, mit ihren staunenswerten stimmlichen Mitteln exemplarisch, das heißt anhand von einzelnen Rezitativen und Arien, zu verkörpern. Sie kann dafür auf eine ebenso kraftvolle wie bewegliche Stimme zurückgreifen, die von oben bis unten perfekt durchgebildet ist. Registerübergänge sind niemals ein Hindernis, wenn es gilt, mit atemberaubenden Koloraturen darüber hinwegzurauschen. Halsbrecherischstes Passagenwerk gelingt makellos und mindert niemals die nicht bloß metallische, sondern auch stets gut im Körper verankerte Stimmgebung. Das ganze Programm ist ein einziger Rausch brillanter Vokalkunst. Am Pult des Ensembles Artaserse steht Philippe Jaroussky als Dirigent mit einem hohen Maß an Präzision zur Seite und trägt auf Basis profunder Kenntnis des Sujets zum Erfolg der Darbietung bei.

Michael Wersin, 05.03.2022



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Freiluftmusik: Es muss schon eine besondere Ehre sein, sich als erwählter Liebling eines gekrönten Hauptes zu fühlen. Richard Wagner könnte ein Lied davon singen, aber auch James Paisible. Sagt Ihnen nichts? Jacques oder James Paisible war ein Franzose und im Gefolge Robert Camberts nach England gekommen. Dieser war enttäuscht davon, dass ihn der Italiener Giovanni Battista Lulli (oder später: Lully) aus dem französischen Musikleben verdrängt hatte, wollte daraufhin mit ein paar […] mehr


Abo

Top