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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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„To My Beloved Ones“

Steffen Schorn, Zurich Jazz Orchestra

Mons Records/NRW Vertrieb MONS635
(40 Min., 9/20202)

Schade, dass der Komponist, Bandleader, Pädagoge und Saxofonist Steffen Schorn auf seiner Homepage verkündet, mit der Disc „To My Beloved Ones“ sei die Trilogie seiner Veröffentlichungen mit dem Zurich Jazz Orchestra beendet. Immerhin haben er und die Big Band mit diesem aktuellen Album sowie den Vorgängern „Three Pictures“ und „Dedications“ drei Werke vorgelegt, die weit aus den sonst üblichen Big Band-Veröffentlichungen herausragen.
Schorn ist ein Meister der Klangschichtungen sowie Farb- und Rhythmusverschiebungen. Er orchestriert seine Kompositionen wie klassische Solokonzerte, indem er die einzelnen Orchestergruppen in permanente Wechselbeziehungen verwickelt und den Solisten eine bewegliche Basis hinterlegt, in die sie sich einfügen und aus der sie herausragen. Dabei wandelt sich der „Tango“ von einer zögernden Annäherung an das Thema zu vergnügten Variationen der unterhaltsamen Bigbandmusik. Auch „Die Tochter des Tyrannen“ beginnt wabernd, bevor sie zu hitzigen Balkanrhythmen zu tanzen beginnt. Im Kontrast dazu erinnert die entspannte Atmosphäre von „For Me Is Just Now Anytime“ an herkömmliche Bigbandsounds. Die hebt „Käpt’n Blaubär“ mit einer an das monotone Stampfen eines Dieselgetriebes erinnernden Grundierung auf, in die sich drei Saxofonisten (sind das seine Enkel Gelb, Grün und Rosa?) als Solisten sowie wimmelige Orchestertutti einklinken.
Sechs Jahre, von 2014 bis 2019, hat Schorn das Zurich Jazz Orchestra geleitet – ein Grund, beim Abschied sentimental zu werden. Dem entsprechend beginnt „To My Beloved Ones“ mit einem weinerlich anmutenden Saxofonsolo Schorns, das sein ZJO melancholisch auffängt. Gegen Ende wandelt sich die Atmosphäre, wird weicher, optimistischer, als spiegle sie die neuen Verhältnisse: Immerhin hat das Zurich Jazz Orchestra mit Ed Partyka erneut einen exzellenten musikalischen Leiter verpflichtet, und zudem bleibt Schorn den Zürichern als „Composer in Residence“ erhalten. Das heißt: Er wird auch weiterhin Kompositionen in seinem ungewöhnlichen Stil mit ihnen aufführen.

Werner Stiefele, 26.03.2022



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