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N° 1260
02. - 08.07.2022

nächste Aktualisierung
am 09.07.2022



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Jean Sibelius

Sinfonien Nr. 1 - 7, „Tapiola“ op. 112, 3 Fragmente

Osloer Philharmoniker, Klaus Mäkelä

Decca/Universal
(268 Min., 2-6/2021) 4 CDs

Wasserblaue Augen des Dirigenten Klaus Mäkelä mesmerisieren den Betrachter des Covers. Meerblau, sogar petrolblau ist der Klang der wundervoll spezifischen Osloer Philharmoniker. Tolle Eigenschaften, die von dem neuen Chefdirigenten, dem erst 26-jährigen Klaus Mäkelä fulminant eingesetzt werden. Mäkelä ist ein so raketenhafter Senkrechtstarter, dass er beim Concertgebouw-Orchester Amsterdam, einem der drei besten Orchester der Welt, als Wunschnachfolger gilt. Nur Mäkelä fühlt sich zu jung.
Rhythmisch pointiert, klangschön und ungemein federnd präsentiert Mäkelä die sieben Sinfonien von Jean Sibelius, fast so als seien sie aus einem Guss. Das mag ein Problem darstellen, denn Sibelius war ein skrupulöser und bedächtiger Schreiber – auch wenn sich seine Natur-Ästhetik nicht wesentlich gewandelt hat. Herrlich staffelt Mäkelä den Klang, dabei den Farben von unten, von den Kontrabässen her ihre Sattheit gebend. Die Tempi wirken flott, bleiben aber in Wirklichkeit hinter Herbert Blomstedt meist zurück. Das bedeutet, Schwung und großartiges Brio dieser Aufnahmen sind nicht präjudiziert, sondern aus dem Inneren der Struktur heraus motiviert. Hier wurde schlicht gut durchleuchtet.
Es scheint der erste norwegische Sibelius-Zyklus zu sein (Mariss Jansons war nicht zu Ende gekommen). Überfällig. Die kühle Frische, zuweilen eisige Brise dieser Werke findet man außerhalb Skandinaviens fast nie. Im Vergleich mit dem wichtigen Zyklus etwa von Osmo Vänskä wirken die Werke geschlossener, ja größer (und weniger durchlässig). Warum solche Zyklen heutzutage als Einstiegs- und Gesellenstück für eine Dirigenten-Ära benutzt werden, erschließt sich nicht. Aber der Finne Mäkelä, wenn er sogar dies ‚verwandeln‘ konnte, muss ein Originalgenie sein.

Robert Fraunholzer, 26.03.2022



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