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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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„Crisálida“

Danilo Pérez

Mack Avenue/in-akustik 0321178
(51 Min., k. A.)

Schon ganz früh in seiner Karriere, als jüngstes Mitglied in Dizzy Gillespies United Nations Orchestra, lernte der panamaische Pianist Danilo Pérez die Kraft der Musik als völkerverbindendes Element kennen. Bestand Gillespies Formation 1989 noch ausschließlich aus nord-, mittel- und südamerikanischen Musikern, so weitet die Formation, die Pérez auf „Crisálida“ präsentiert, den Bezugsrahmen deutlich aus.
Die Global Messengers, die aus Absolventen des von dem Panamaer geleiteten „Global Jazz Institut“-Programms in Berklee bestehen, setzen die US-Hegemonie in der improvisierten Musik außer Kraft: Jazz im wirklich klassischen Sinne hört man auf der Einspielung, für die Peréz Musikerinnen und Musiker aus Palästina, Griechenland, Jordanien, Kuba oder Chile zusammenbrachte, nur einmal ganz kurz. Dann nämlich, wenn der palästinensische Cellist Naseem Alatrash im „Al-Musafir Blues“ zu den Swing-Triolen seines Landsmannes Tareq Rantisi an den Percussions eine Walking-Bass-Linie spielt, über die der fabelhafte irakisch-jordanische Geiger Layth Sidiq soliert.
Ansonsten ist die Musik von so unterschiedlich-vielgestaltiger Provenienz wie die Ausführenden. In den beiden Suiten „La Muralla“ und „Fronteras“, die sich mit den Themen der gesellschaftlichen Durchlässigkeit und der Bedrohlichkeit von Grenzen auseinandersetzen, geht es zu wie auf einem Wimmelbild: Da vermischen sich etwa die Stimmen eines griechischen Kinderchores mit der reibungsvollen Harmonik zeitgenössischer Kammermusik, stehen orientalische Arabesken neben Tanzanweisungen aus Südamerika, reichen sich Hip-Hop, Sufi-Gesang und Jazz-Vokalisen die Hand, suchen Ney-Flöte, Cello und eine südosteuropäische Laute den Dialog.
Man merkt, dass hier kein einzelner Komponist mit ordnender Hand die Stücke entwarf, sondern dass die Suiten aus gemeinsamen Improvisationen entstanden sind. Eine Disziplin, in der der Spiritus Rector Pérez als langjähriges Mitglied des Quartetts um Wayne Shorter reichlich Erfahrung sammeln konnte. Und auch wenn es gelegentlich etwas unübersichtlich wird, verhindert das überreiche Talent der jungen Beteiligten den Eindruck eines nett gemeinten multikulturellen Patchworks. Hier wird dicht und leidenschaftlich für eine bessere Welt ohne Verständnisbarrieren geworben. Damit aus der „Crisálida“, der verpuppten Larve, ein Schmetterling wird.

Josef Engels, 09.04.2022



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