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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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„Bortenfor“

Maridalen

Jazzland/Edel 1079450JZL
(44 Min., 6/2021)

Der Saxofonist Anders Hefre, der Trompeter Jonas Kilmork Vemøy und der Kontrabassist Andreas Rødland Haga haben den perfekten Aufnahmeort für ihre Musik gefunden: Zum zweiten Mal nach ihrem 2021 erschienen Debüt bauten die drei Norweger ihr Studioequipment in einer einfachen Kirche aus dem 19. Jahrhundert auf, die inmitten des Maridalen-Tals nördlich von Oslo liegt, nach dem sich das Trio benannt hat.
Die emotionale Grundstimmung, die ein Gotteshaus ausstrahlt, aber auch seine klangliche Beschaffenheit, die aufgrund des Nachhalls ein Primat längerer Notenwerte erfordert – all das findet seinen Niederschlag auf dem zweiten Album der Skandinavier. Voller Demut und Lakonik agieren die Bläser, die sich in ihren Melodien mal zusammentun wie Chorsänger, mal wie Pfarrer und Gemeinde Wechselrufe ausstoßen. Der Bass beschränkt sich nicht auf pure Begleitaufgaben, sondern tritt con arco gerne auch mal als dritte Stimme hinzu.
So sakral die Grundausrichtung des Trios auch sein mag (und in der Quasi-Kirchenhymne „Der hvor vi ikke kunne gå“ unter Ein-Ton-Klavierbegleitung von Aleksander Sjølie sowie in dem Klagelied „Silhuet“ schön zum Tragen kommt) – „Bortenfor“ ist voller weltlicher Anspielungen und Aufbruchsgeist.
Nicht umsonst beginnt die Aufnahme mit einem Stück, das übersetzt so viel wie „Auf zu neuen Abenteuern“ heißt, und mit seinem lässigen Fingerschnipsen und seiner eingängigen Melodie so klingt wie ein cooles Wanderlied für waldbadende Hipster. „Sandermosen“ wiederum lässt sowohl an den Zugbetrieb im gleichnamigen Bahnhof denken als auch an eine Mischung aus Elektrobeats und Schuhplattler. Während „Bilder fra en film“ an einen Film irgendwo zwischen James Bond und Ingmar Bergman denken lässt, erweist sich der hymnische Abschluss „I havn“ als Seefahrerlied, in dem die Trio-Mitglieder zu Emil Brattesteds Pedal-Steel-Gitarre singen wie schwermütige Matrosen.
In Kombination mit den abwechslungsreichen Stimmführungen sorgen diese unzähligen Einladungen zum Kopfkino dafür, dass Maridalen altbewährt nordisch und gleichermaßen frisch klingt. Ein Kircheneintritt, der sich bedenkenlos empfehlen lässt.

Josef Engels, 16.04.2022



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