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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Claudio Monteverdi

„Monteverdi Memories“

Capella de la Torre, Katharina Bäuml

dhm/Sony
(74 Min., 10/2021)

In Claudio Monteverdis Canzonetta „Chiome d’oro“ wird die goldblonde Haarpracht einer unbekannten Schönen besungen. Auch die lebhaften Augen und die korallenroten Lippen ziehen den Betrachter offensichtlich in ihren Bann. Wer in diesem Stück jazzige Rhythmen zu erkennen meint, irrt nicht. Die gleichmäßige und dennoch nicht eintönige Basslinie ist sozusagen ein Vorgriff auf den heute von Jazz-, Blues- und Popbands verwendeten „Walking Bass“. So leichtfüßig swingend kommt das Liedchen daher, dass man kaum ruhig sitzen bleiben kann. Dass die Stücke auf diesem Album wohl niemanden kaltlassen dürften, liegt auch an dem großartigen Alte-Musik-Ensemble Capella de la Torre unter Leitung der Oboistin und Schalmei-Expertin Katharina Bäuml. Die durch Sänger, Geiger, Theorbe-Spieler, eine Organistin und einen Violonisten verstärkte Bläsergruppe ist für Liebhaber der Renaissance- Musik längst kein Geheimtipp mehr. Die Capella beschäftigt sich in dieser Aufnahme vor allem mit dem Spätwerk des „Divino Claudio“, wie Monteverdi von seinen Zeitgenossen genannt wurde. In das weltliche 8. Madrigalbuch und die geistliche Vokalsammlung „Selva morale et spirituale“ flossen langjährige Erfahrungen ein. Monteverdi war bekanntlich über zwanzig Jahre Musiker am Hof der Gonzaga in Mantua und danach fast dreißig Jahre lang Kapellmeister des Markusdoms in Venedig. Pralle Lebensfreude verbreitet etwa das mehrstimmige „Movete al mio bel suon“, eine unwiderstehliche Aufforderung zum Tanz aus den „Madrigali guerrieri et amorosi“. Das Instrumentalstück „Il ballo delle ingrate“ ist ein echter Ohrwurm. In „Zefiro torna e di soavi accenti“ aus den früher entstandenen „Scherzi musicali“ preisen Sänger ausgelassen den Windgott Zephyr, während der Instrumentalbass eine Ciaccona spielt. Diesen Tanzrhythmus lässt Monteverdi auch in sakralen Kompositionen wie etwa „Laudate Dominum in sanctis eius“ ertönen.

Corina Kolbe, 28.05.2022



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