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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Francesco Sacrati

„La finta pazza“

Mariana Florès, Filippo Mineccia, Cappella Mediterranea, Leonardo García Alarcón u. a.

Château de Versailles/Note 1 CVS070
(148 Min., 6/2021) 3 CDs

„La finta pazza“, – „die vorgetäuschte Verrückte“, das ist eine 1641 in Venedig uraufgeführte Oper von Francesco Sacrati. Den kennt man eigentlich nur, weil er – vermutlich – das herrliche Schlussduett für die ein Jahr später dort herausgekommene „L’incoronazione di Poppea“ Claudio Monterverdis komponiert hat. Lange galt diese extrem frühe Oper, die gleichwohl so erfolgreich war, dass sie sofort auf eine Art Tournee ging (vermutlich sogar, mit französischen Zusätzen, als erste Oper überhaupt in Paris gegeben wurde), als verloren. Bis in einer Privatsammlung eine Abschrift auftauchte. Die hat der versierte, in Genf lehrende argentinische Dirigent Leonardo García Alarcón gefunden, mit seiner diesmal mit nur 15 Musikern sehr klein besetzten Cappella Mediterranea aufgeführt und nun auch eingespielt. Die Geschichte ist antik, auch Georg Friedrich Händel hat sie als „Deidamia“ vertont, sie erzählt von der gleichnamigen griechischen Königstochter, bei der sich der verliebte Achilles auf der Insel Skyros versteckt. Als ihn sein Freund Odysseus für den trojanischen Krieg abziehen will, verkleidet er sich als Frau, wird aber entlarvt. Worauf Deidamia so tut, als wäre sie wahnsinnig geworden, um ihn zu retten. Wie damals üblich, besteht die Oper nur aus ausdrucksvollen Rezitativen. Doch dank einer feinen Sängerbesetzung mit Mariana Florès (Deidamia), dem Countertenor Filippo Mineccia (Achille), Gabriel Jublin (Ulisse) und den beiden grandiosen Komikern Kacper Szelążek (Eunuco) und Marcel Beekman (Nodrice) entfaltet sich der ganze, dramatische, komische, erotische, tänzerisch bewegte, jedenfalls sehr subversive Zauber der Oper in ihren Kinderschuhen. Eine echte Entdeckung!

Matthias Siehler, 18.06.2022



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