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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Josquin Desprez

„Tant vous aime“ (Chansons)

Doulce Mémoire, Denis Raisin Dadre

Ricercar/Note 1 RIC 436
(64 Min., 11/2021)

Mit den raffinierten Sätzen der Chansons von Josquin Desprez lässt sich interpretatorisch so einiges anstellen: Man kann sie gemischt vokal-instrumental besetzen, indem man nur eine oder zwei Stimmen singen, die anderen aber von einer Laute zusammenfassen oder von Bläsern spielen lässt. Man kann sie ganz spielerisch ein wenig außerhalb des Metrums, quasi ein wenig im „stile recitativo“, beginnen lassen und dann den plötzlichen Übergang ins Metrum zum Ereignis machen. Man kann natürlich auch einfach alle vier Stimmen singen, und man wird, im Zusammenhang mit der Textaussage, auch kleine improvisierte Ornamente in den einzelnen Stimmen des Satzes anbringen. Und wenn dann all diese interpretatorischen Raffinessen vermischt bzw. im Sinne einer effektvollen „Regie“ im Laufe eines Stückes sinnvoll aneinandergereiht werden, dann entfalten diese kleinen Pretiosen der Renaissancemusik einen erstaunlichen Reiz. Solchermaßen kreativ gehen Denis Raisin Dadre und seine Musikerinnen und Musiker mit diesem wundervollen Repertoire um. Und weil sich alles Weitere beim Hören eigentlich selbst erklärt – z. B. das Geschick, das Dadre beim Verteilen von Vokal- und Instrumentalstimmen auf die teils polyphonen Satzstrukturen verwandt hat, um eben diese Strukturen plastisch hörbar zu machen –, sei der Leserschaft einfach das ästhetische Erlebnis, das dieses Album birgt, zum stillen Genießen anempfohlen.

Michael Wersin, 02.07.2022



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