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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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„Stamina“

Grand Couloir

Double Moon/Bertus DMCHR71405
(74 Min., k. A.)

Die Bandbreite der Betätigungsfelder, in denen sich die Mitglieder des Berliner Quintetts Grand Couloir bislang getummelt haben, ist beachtlich: Sie reicht vom Pop einer Marla Glen und dem nu-souligen Materialmix von Jazzanova über die feingliedrigen Kammerexperimente einer Clara Haberkamp bis hin zum herzhaften Punkjazz der Band Gorilla Mask. Da erstaunt es nicht, dass auch das Albumdebüt von Grand Couloir eine vielfarbige eklektische Angelegenheit ist.
Ernsthaft albern durchmessen die Hauptstädter den mehr oder minder tanzbaren Jazz der vergangenen 50 Jahre und zeigen dabei keinerlei Berührungsängste mit fragwürdigen Klängen – sei es der für die 1980er und 1990er Jahre typische Orchestra Shot (im Opener „U Got Everything What We Want“), eine zur Schlumpfine hochgepitchte Diana Ross (in der Bearbeitung des Disco-Klassikers „Upside Down“) oder die charakteristische Synthesizer-Linie aus dem Stück „Moments in Love“ von The Art of Noise (in der Ballade „Dark Room“).
Bei aller Freude am schrägen Witz, der immer wieder aus den Stücken im Spannungsfeld zwischen Bop, Sly-und-Robbie-Reggae, Elektrojazz, spätem Miles und frühem Robert Glasper aufscheint: Christoph Titz an Trompete und Flügelhorn, Dirk Steglich an Saxofon, Bassklarinette und Flöte, Volker Meitz an den Keyboards, Roland Fidezius am Bass und Tilo Weber am Schlagzeug betreiben beileibe keinen Scherzartikel-Gemischtwarenladen. Vor allem die beiden Bläser harmonieren sehr gut und seriös miteinander. Sie erinnern in ihrem kompakten Sound durchaus an die Telepathie von ähnlich eingeschworenen Vorgängern wie etwa den Brecker Brothers – und benutzen in ihren Soloexkursionen auch gerne mal ähnliche Effekte wie weiland Michael und Randy.
Und so wird „Stamina“ zu einem Abbild einer typischen Berliner Nacht: feucht-fröhlich, hart an der Grenze des guten Geschmacks und im Abgang mit einer gewissen Melancholie, die so dunkel funkelt wie die Scherben von aufs Kopfsteinpflaster geworfenen Bierflaschen.

Josef Engels, 09.07.2022



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