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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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„Golden Standards“

Lorenz Hargassner

Major Music/Edel 1091423MJO
(57 Min., 2021)

Lorenz Hargassner kennt und schätzt man als Protagonisten des Ensembles „Pure Desmond“, das seit nunmehr 20 Jahren auf seine ganz eigene Art das Erbe des „Take Five“-Komponisten Paul Desmond pflegt. Nach dem originellen Album mit Bearbeitungen von James-Bond-Songs aus dem Jahr 2020 hat sich der Altsaxofonist nun zu einer Solo-Mission mit einem gewissen Nervenkitzel ohne seine Stammband entschieden: Auf „Golden Standards“ beschäftigt sich der Hamburger mit der Goldwährung des Jazz – der ungeprobten Interpretation von lauter wertbeständigen Stücken mit Musikern, die in dieser Konstellation zuvor noch nie miteinander zu tun hatten.
Es spricht für die hohe Qualität und Sensibilität aller Beteiligten (neben Hargassner: Josef Reßle am Klavier, Hervé Jeanne am Bass und Bastian Jütte an den Drums), dass sich die Aufnahme an keiner Stelle ausnimmt wie eine beliebige Jamsession. Vielleicht ist es auch dem charakteristischen Ton Hargassners mit seinem delikat ausschwingenden Vibrato und der Vorliebe für eher Balladeskes geschuldet, dass das Album von einer höchst konzentrierten Stimmung lebt. So klingen etwa die Themen von „It Might As Well Be Spring“ oder „Spring Can Really Hang You Up the Most“ wie kostbare Auktionsstücke, die behutsam mit weißen Handschuhen präsentiert werden.
Im Verlauf der Session zeigen die vier Musiker durchaus auch ihre verspielte Seite bei nicht ganz so bekannten Sammlerstücken, etwa im Calypso-Rhythmus von Duke Ellingtons „Purple Gazelle“ oder in den Interaktionen zwischen Sax und Piano im Uptempo-Swing von Gerry Mulligans „Blight of the Fumble Bee“. Doch besonders fein bringt das Quartett das klingende Edelmetall in den ruhigen Nummern zum Glänzen. „Chelsea Bridge“ wirkt so geheimnisvoll-nebelverhangen wie ein William-Turner-Bild, während Hargassner in Gershwins „Someone to Watch Over Me“ auf dem Altsax klingt wie ein weltverlorener Crooner aus der Sinatra-Ära. Und wenn er dann überraschenderweise tatsächlich singt, emotional angepackt und sympathisch unbehauen in „I'll Be Seeing You“ im Gedenken an seine just verstorbene Tante, wird klar: Nicht nur in Zeiten der Inflation lohnt es sich, in Gold zu investieren. Hargassner hat seine Noten zweifellos gut angelegt.

Josef Engels, 30.07.2022



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