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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Paul Giger, Johann Sebastian Bach

„Ars moriendi“

Paul Giger, Marie-Luise Dähler, Pudi Lehmann, Franz Vitzthum, Carmina Quartett

ECM/Universal 002894857765
(69 Min., 1/2015, 2021)

Paul Giger kann man durchaus als Sonderling bezeichnen. Nicht nur, weil er sich der barocken, elfsaitigen Violine d’amore verschrieben hat. Der Schweizer und ehemalige Konzertmeister beim Sinfonieorchester St. Gallen bewegt sich mit geradezu natürlichem Gespür zwischen den unterschiedlichsten musikalischen Idiomen und Regionen –- und zwar mit Tiefgang und überraschenden Ergebnissen. Genau das ist Giger jetzt einmal mehr gelungen. Als Titelthema des Albums „Ars moriendi“ hat sich Giger die alte Gedanken- und Glaubensfigur vom „Werden-Sein-Vergehen“ ausgewählt. Und um die Vergänglichkeit drehen sich denn auch die hierfür neu komponierten sowie arrangierten Stücke. Wobei ein Großteil der Musik, darunter auch Bearbeitungen von drei Bach-Stücken, für einen Film über den Tiroler Maler Giovanni Segantini entstanden ist.
Die Natur als fragiles System, wie sie Giger gleich im eigens hierfür komponierten Eröffnungsstück „Guggisberglied“ mit seinem Streichinstrument atmosphärisch abtastet, erzählt genauso von möglichem Verlust wie so manch volkstümliche Lieder, die Giger für Kammerensemble eingerichtet hat. Zusammen mit u. a. Cembalistin Marie-Luise Dähler sowie Pudi Lehmann teils an den Gongs verharrt Giger aber dabei nicht musikalisch in den Schweizer Grenzen, sondern schlägt Bögen auch nach Indien. Und das Lied „Requiem für meinen Bruder“ findet sich gar in einem ägyptischen Totenbuch. Gesungen wird es vom Altus Franz Vitzthum, der mit seiner makellosen, herrlich ausbalancierten Stimme ebenfalls Johann Sebastian Bachs „Erbarme dich“ in reinen Balsam für Seele und Sinne verwandelt.

Guido Fischer, 27.08.2022



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