Die Luxemburger "Solistes européens" pflegen unter Leitung von Jack Martin Händler einen weichen, abgerundeten Klang; das akustische Erscheinungsbild ist außerdem bei prinzipiell romantischem Timbre doch auch gebündelt, schlank und geschmeidig. Händler hat das Ensemble bezüglich der Transparenz im Zusammenspiel der Register weitgehend recht gut im Griff; eine Live-Produktion wie die vorliegende offenbart hier und da jedoch auch deutliche Mängel in puncto Präzision bzw. Kongruenz der Instrumentalisten besonders bei der Abnahme und Ausführung agogischer Nuancen.
Die zuvor beschriebenen Qualitäten führen im Zusammenhang mit den genannten Problemen nicht zu einem Endergebnis, das die vorliegende Einspielung der beiden populärsten Mendelssohn-Sinfonien, die im Schallplattenkatalog ohnehin überrepräsentiert sind, zu einer echten Alternative im Hinblick auf bewährte Einspielungen machen würde. Stellt man etwa Colin Davis’ Einspielung der “Italienischen” (Orfeo) neben die Händlers, so fällt etwa im Presto-Finale die höhere Brillanz der rasend schnellen Holzbläser-Repetitionen beim von Davis dirigierten Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks stark ins Gewicht; hinzu kommt insgesamt eine größere zielgerichtete Innenspannung der einzelnen Phrasen bei leidenschaftlich funkelnder und bebender Intensität des Streicherklangs, gegenüber welcher die Streicher der "Solistes européens" vergleichsweise nüchtern oder gar ein wenig fahl agieren; die elegische Melodik im dritten Satz der “Italienischen” entbehrt dadurch jener Eleganz und bestrickenden Süße, die Davis ihr scheinbar mühelos zu entlocken versteht. Insgesamt will der klangliche Ansatz Händlers und seiner Musiker, dies sei wiederum relativierend angeführt, zur kühleren “Schottischen” wesentlich besser passen als zur “Italienischen”, deren südliches Feuer allzu sehr auf der Strecke bleibt. Ganz nebenbei, liebe Covergestalter: "Mendelssohn Bartholdy" schreibt man ohne Bindestrich.

Markus Kettner, 27.03.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top