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N° 1290
28.01. - 03.02.2023

nächste Aktualisierung
am 04.02.2023



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Leo Blech

„Alpenkönig und Menschenfeind“

Ronan Collett, Hrólfur Sæmundsson, Sinfonieorchester Aachen, Christopher Ward u. a.

Capriccio /Naxos C5478
(125 Min., 5/2021) 2 CDs

Leo Blech (1871–1958), den kennt man heute vornehmlich als bedeutenden Dirigenten mit Berliner Wirkungsfeld. Seit 1906 war er dort tätig – bis zu seiner 1937 erfolgten Zwangspensionierung (er war Jude) mit Unterbrechungen besonders als Generalmusikdirektor der Staatsoper. Im schwedischen Exil wurde er zum Förderer der jungen Birgit Nilsson und 1893–99 wirkte er auch als GMD in seiner Heimatstadt Aachen sowie anschließend bis 1906 an der späteren Staatsoper in Prag, wo er 38 Ur- und Erstaufführungen betreute. Natürlich hat so einer – er war unter anderem Humperdinck-Schüler – damals auch komponiert, stilistisch ist das weniger spätromantisch, fast schon neusachlich geradlinig. In alten Opernführern findet sich von seinen neun Musiktheaterwerken höchstens „Versiegelt“.
1903 kam an der Dresdner Hofoper erfolgreich die Ferdinand-Raimund-Vertonung „Alpenkönig und Menschenfeind“ als Blechs fünftes Musiktheater-Opus heraus. Heute steht das musikalisch zwischen allen Stühlen, emanzipiert sich selten über ein alertes, instrumentierkundiges Ausmalen der Situationen hinaus. Die Geschichte vom Misanthropen, der sein Umfeld terrorisiert und erst geheilt wird, als er durch einen magischen Rollenwechsel sein eigenes Verhalten von außen betrachtet, gewinnt so gegenüber dem von vielen Liedern durchwirkten Originaldrama wenig Kontur. „Dramatische Oper trifft Bauerntheater“, so wird das beworben, aber so süffig wird es nie. Obwohl die Aachener Theaterkräfte ihrem ehemaligen GMD alle Ehre einlegen. Blechs Vielfachnachfolger Christopher Ward (Karajan und Sawallisch waren bekanntlich ebenfalls darunter) dirigiert so zupackend wie klangfein des Weiteren Blechs Orchesterwerke die inklusive einiger Orchesterlieder auf eine weitere CD passen. Ob „Waldwanderung“ oder „Die Nonne“, das ist ebenfalls hübsch gemacht, aber (zu) wenig individuell. Trotzdem spannend, einmal die Bekanntschaft gemacht zu haben.

Matthias Siehler, 24.09.2022



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