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N° 1290
28.01. - 03.02.2023

nächste Aktualisierung
am 04.02.2023



Ein wenig muffelig ging es bei den Innsbrucker Festwochen in den letzten Jahren bisweilen zu, denn der künstlerische Chef, Cembalist und Dirigent Alessandro De Marchi ist zwar ein passionierter Ausgräber, aber nicht immer der beste Klanganwalt der Stücke von nicht immer gleichwichtiger Bedeutung. Die völlig unbekannte „Idalma“ des höchstens als Cembalisten in den Klangannalen registrierten Bernardo Pasquini (1637–1710), die dieser 1680 komponierte, ist freilich ein lustvoller Treffer. In der abwechslungsreichen, nur selten verworrenen Geschichte eines Westentaschen-Don Giovannis machen die eitel-selbstsüchtigen, begriffsstutzigen Männer wenig bella figura. Die Frauen fügen sich in ihre Rollen und sind doch praktischer, bündnisbereiter. Ähnlich kommt auch die Musik charmant und temperamentvoll daher, mit abwechslungsreich orchestrierten, oft ins Tänzerische aufbrechenden Rezitativen. Die Arien sind kurz, weiten sich aber auch zu größeren Szenenkomplexen. Es gibt sogar die stereotypen Verzweiflungsszenen der späteren Seria, bevor fast jedes Liebestöpfchen sein Deckelchen bekommt. Arianna Vendittelli gibt mit versatiler Koloratur die sitzengelassene, aber ihr Schicksal meisternde Idalma. Rupert Charlesworth ist mit aufgeblasen baritonalem Tenor deren launischer Mann Lindoro, der zu seiner alten Flamme Irene (mezzosattwarm: Margherita Maria Sala) zurückwill. Die aber hat sich per Heirat mit Celindo (trockener Tenor: Juan Sancho) getröstet. Dazwischen steht Irenes stutzerhafter Bruder Almiro (baritongekonnt: Morgan Pearse), während die Diener Dorillo (pagengewitzt: Anita Rosati) und Pantano (profund: Rocco Cavalluzzi) den verstreuten Gefühlsdreck zusammenkehren müssen. Das ist ein Leichtes – dank der befeuernden Leitung De Marchis und seines farbigen, spannungssatten Festwochenorchesters.

Matthias Siehler, 01.10.2022



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