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Johann Adolph Hasse

Requiem, Miserere

Dresdner Kammerchor, Dresdner Barockorchester, Hans-Christoph Rademann

Carus/Note 1 83.175
(65 Min., 2/2005) 1 CD

Als "skandalös lustig" empfand Felix Mendelssohn Bartholdy, der sich in seinem eigenen geistlichen Schaffen u. a. am verehrten Johann Sebastian Bach orientierte, weite Teile der Kirchenmusik der klassischen Epoche: An Wahrheit und Erhabenheit mangelte es ihm in einer Stilistik, innerhalb derer sich das vokale wie instrumentale Ornament und überhaupt Motivik und Phrasenbildung vom unmittelbaren Bezug zur Textaussage zu entfernen scheinen und stattdessen tendenziell eher einer musikimmanenten Eigengesetzlichkeit gehorchen wollen. Möglicherweise hätte Mendelssohn an Johann Adolf Hasses Kirchenmusik auch keinen übermäßig großen Gefallen gefunden, kommt es doch etwa in dessen auf dieser CD erstmals eingespielter Requiemvertonung in Es-Dur immer wieder zu Passagen der beschriebenen Art; so verschwindet etwa die höchst beklemmende Textstelle "Confutatis maledictis" - man erinnere sich, was Mozart später im Angesicht des eigenen Todes hier für ein musikalisches Höllenfeuer entfacht - ganz in einem aufgeräumt-lieblichen "Inter-Oves"-Duett zweier Solo-Tenöre, das mit seinen durchgehenden Terzen- und Sextenparallelen recht diesseitig daherkommt. Aber halt: Es nützt wenig, Hasses Musik vor solchem Hintergrund zu bewerten, denn sie entstand in einer Zeit des Übergangs, in der es tatsächlich - zumindest sehen wir es aus heutiger Perspektive so - galt, sich von barocker Schwerblütigkeit und Strenge zu lösen und zu einer neuen Tonsprache zu finden, die dann im Bereich der Kirchenmusik vielleicht de facto erst mit Mozarts c-Moll-Messe und Requiem oder mit Haydns späten sinfonischen Messen ganz zu sich selbst findet. Hasse operiert derweil schon mit einem gegenüber dem hochbarocken Stil strukturell vereinfachten Chorsatz, der mit seinen größeren homophonen Abschnitten (keine Fuge im Kyrie II) deklamationsorientiert angelegt ist und sich darüber hinaus auf wohldosiert eingesetzte harmonische Effekte sowie auf dynamische Akzentuierungen im Orchesterpart verlässt.
Christoph Rademann und seine Dresdner Ensembles präsentieren Hasses Es-Dur-Requiem nebst seinem Misere d-Moll mit der gewohnt soliden Qualität eines eingespielten Ensembles. Unter den Solisten sticht besonders der mit fein fokussierter Intensität zu Werke gehende Tenor Eric Stokloßa hervor, während der bewährte Bassist Gotthold Schwarz im "Dies irae" merkwürdig guttural klingt. Tiefenscharf und ausgewogen der Orchesterklang auf der Basis eines durch Chitarrone verstärkten Continuo; klanglich wie sprachlich überzeugend kongruent der Chor.

, 01.10.2005



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