home

N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



Responsive image
Johann Adolph Hasse

Requiem, Miserere

Dresdner Kammerchor, Dresdner Barockorchester, Hans-Christoph Rademann

Carus/Note 1 83.175
(65 Min., 2/2005) 1 CD

Als "skandalös lustig" empfand Felix Mendelssohn Bartholdy, der sich in seinem eigenen geistlichen Schaffen u. a. am verehrten Johann Sebastian Bach orientierte, weite Teile der Kirchenmusik der klassischen Epoche: An Wahrheit und Erhabenheit mangelte es ihm in einer Stilistik, innerhalb derer sich das vokale wie instrumentale Ornament und überhaupt Motivik und Phrasenbildung vom unmittelbaren Bezug zur Textaussage zu entfernen scheinen und stattdessen tendenziell eher einer musikimmanenten Eigengesetzlichkeit gehorchen wollen. Möglicherweise hätte Mendelssohn an Johann Adolf Hasses Kirchenmusik auch keinen übermäßig großen Gefallen gefunden, kommt es doch etwa in dessen auf dieser CD erstmals eingespielter Requiemvertonung in Es-Dur immer wieder zu Passagen der beschriebenen Art; so verschwindet etwa die höchst beklemmende Textstelle "Confutatis maledictis" - man erinnere sich, was Mozart später im Angesicht des eigenen Todes hier für ein musikalisches Höllenfeuer entfacht - ganz in einem aufgeräumt-lieblichen "Inter-Oves"-Duett zweier Solo-Tenöre, das mit seinen durchgehenden Terzen- und Sextenparallelen recht diesseitig daherkommt. Aber halt: Es nützt wenig, Hasses Musik vor solchem Hintergrund zu bewerten, denn sie entstand in einer Zeit des Übergangs, in der es tatsächlich - zumindest sehen wir es aus heutiger Perspektive so - galt, sich von barocker Schwerblütigkeit und Strenge zu lösen und zu einer neuen Tonsprache zu finden, die dann im Bereich der Kirchenmusik vielleicht de facto erst mit Mozarts c-Moll-Messe und Requiem oder mit Haydns späten sinfonischen Messen ganz zu sich selbst findet. Hasse operiert derweil schon mit einem gegenüber dem hochbarocken Stil strukturell vereinfachten Chorsatz, der mit seinen größeren homophonen Abschnitten (keine Fuge im Kyrie II) deklamationsorientiert angelegt ist und sich darüber hinaus auf wohldosiert eingesetzte harmonische Effekte sowie auf dynamische Akzentuierungen im Orchesterpart verlässt.
Christoph Rademann und seine Dresdner Ensembles präsentieren Hasses Es-Dur-Requiem nebst seinem Misere d-Moll mit der gewohnt soliden Qualität eines eingespielten Ensembles. Unter den Solisten sticht besonders der mit fein fokussierter Intensität zu Werke gehende Tenor Eric Stokloßa hervor, während der bewährte Bassist Gotthold Schwarz im "Dies irae" merkwürdig guttural klingt. Tiefenscharf und ausgewogen der Orchesterklang auf der Basis eines durch Chitarrone verstärkten Continuo; klanglich wie sprachlich überzeugend kongruent der Chor.

, 01.10.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Zum Warmwerden: Von Tenören, die gerne auf der Rasierklinge zwischen Kunst und Kommerz reiten, ist es ja bekannt. Das aber auch Instrumentalisten „ihr“ Weihnachtsalbum aufnehmen, hat Seltenheitswert. Zumal, wenn es auch noch so glückt wie im Fall des Harfenisten Xavier de Maistre. Der verbindet gleich mehrere Programmideen. So ist dieses Album nämlich nicht nur Begleitmusik fürs Weihnachtszimmer, sondern auch eine Verneigung vor einem großen Kollegen unter den Konzertharfenisten, […] mehr


Abo

Top