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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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„Songs in the Key of Jazz“

Norbert Gottschalk

Ajazz/NRW Vertrieb A538
(44 Min., 2020)

Seit 1988 nimmt der Sänger Norbert Gottschalk Platten auf (für die erste, „Light-Weight-Sight“, wurde er mit dem Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet). Doch keine seiner bisherigen Einspielungen dürfte einen dermaßen programmatischen Titel tragen wie „Songs in the Key of Jazz“. Der 1954 in Essen geborene, aber schon lange im Rheinland lebende Gottschalk verweist damit nicht nur auf seine tiefe Verbundenheit mit der improvisierten Musik. Er offenbart mit dem an Stevie Wonders Meisterwerk „Songs in the Key of Life“ angelehnten Albumnamen auch sein großes Faible für klug durchdachten Pop.
Und so überrascht es keinesfalls, dass sich Gottschalk mit „Maxine“, „When She Is Mine“ und „Third World Man“ Stücke von zwei Großmeistern des Balanceakts zwischen federleichter Unterhaltung und komplexer Harmonik ausgesucht hat: Donald Fagen und Michael Franks. Erstaunlich ist hingegen, wie gut es der Vokalist mit seinen Partnern Rolf Marx an der Gitarre, German Klaiber am Kontrabass und Matthias Nadolny am Tenorsaxofon hinbekommt, diese in ihren Originalen reichhaltig instrumentierten Kompositionen auf ein intimes Kammerjazz-Erlebnis herunterzubrechen, ohne dass man etwas vermissen würde.
Dass es sich bei dem an Chet Bakers Jungmännermelancholie geschulten Gottschalk um einen kompletten Jazzsänger moderner Prägung handelt, macht das Album nonchalant immer wieder deutlich: Der Mann beherrscht nicht nur souverän die Bearbeitung von Standards wie „East of the Sun (And West of the Moon)“ oder die Kunst der Vocalese, des Betextens instrumentaler Linien, wie er es in Pat Methenys „New Year“ oder Gerry Mulligans „Song for Strayhorn“ vorführt. Gottschalk gehört zudem zu den wenigen Jazzvokalisten, bei denen der Scatgesang wie ein ganz natürliches Ausdrucksmittel und nicht wie eine etwas schräge Pflichtübung klingt. In Kombination mit der wolldeckenweichen Grundausrichtung der Einspielung lässt sich feststellen: Wer in diesem Winter der Sparzwänge nach einer zusätzlichen Wärmequelle sucht, macht mit diesem Album nichts falsch.

Josef Engels, 05.11.2022



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