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Paul Hindemith

Sinfonie "Die Harmonie der Welt", Sinfonietta in E

Bamberger Symphoniker, Karl Anton Rickenbacher

Koch Schwann 0 99923 64712 6
(55 Min., 1/1995) 1 CD

Opern sind lang. Nicht jeder mag sie hören. Gerne fertigen Komponisten deswegen hinterher einen sinfonischen Digest an, um durch eine Reihung der jeweiligen Höhepunkte Appetit auf das Ganze zu wecken: Man denke etwa an Bizets "Carmen-Suite" oder die Peer-Gynt-Suiten von Edvard Grieg, auch wenn sich letztere einer (in ihren Ausmaßen allerdings ebenfalls opernhaften) Schauspielmusik verdanken.
Bei Paul Hindemith lagen die Dinge anders: Die Sinfonie "Mathis der Maler", der Figur des Malers Mathias Grünewald gewidmet, etwa entstand vor der kompletten Oper. Gleiches gilt für die hier von den Bambergern unter Rickenbacher eingespielten Sinfonie "Die Harmonie der Welt", deren gleichnamiger Opern-Abkömmling den Sternenforscher Johannes Kepler zum Gegenstand hat. Das Lob der Komposition hat jüngst an dieser Stelle schon der Kollege Thomas Schulz gesungen (siehe Rezension). Ich also darf mich auf das Lob eines Dirigenten beschränken, der sein Orchester dazu animieren kann, selbst mit den kühl-meditativen Klängen eines Hindemith'schen Spätwerkes so richtig warm zu werden. Ein Künstler, dessen Plattenkatalog unter anderem Beethovens Orchestertänze und Messiaens "Verklärung des Herrn", den unbekannten Richard Strauss und K. A. Hartmanns "Gesangsszene" verzeichnet, scheint einfach genau der richtige für die metaphysische Sinfonik des späten Hindemith zu sein: Rickenbacher versteht es, interessant zu sein, ohne sich interessant zu machen.

Stefan Heßbrüggen, 19.10.2000



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