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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Felix Mendelssohn Bartholdy, Max Bruch

Oktette

Kodály Quartet, Auer Quartett

Naxos 8.55 7270
(56 Min., 7/2003, 4/2004) 1 CD

Der 16-jährige Mendelssohn hinterließ mit seinem Oktett der Nachwelt nicht nur ein frühgeniales, rauschhaft-unbekümmertes Opus, er gab den Interpreten auch eine Crux mit auf den Weg: "Dies Oktett muss von allen Instrumenten im Style eines symphonisches Orchesterwerks gespielt werden". Natürlich meinte Mendelssohn mit "symphonisch" nicht den Kontrast zu kammermusikalisch-feingliedrig, sondern den quasi-orchestralen Sound wirklicher Achtstimmigkeit, der sein Oktett auszeichnet und der etwas anderes ist als nur verdoppeltes bzw. alternierend eingesetztes (Doppel-) Quartettspiel (wie etwa in Louis Spohrs Gattungsbeitrag).
Aber was heißt das für die Interpreten? Die beiden Budapester Ensembles der vorliegenden Mendelssohn-Einspielung gehen den überschäumend-jugendlichen Melodienstrom mit kraftvoll-großem Ton an. Leider ist darin auch etwas zuviel Vibrato im Spiel, so dass der Ensemble-Klang der seit dreieinhalb Jahrzehnten Quartett-Erfahrenen Herren vom Kodály- und ihrer jüngeren Kollegen vom Auer-Quartett nicht zu den filigransten und durchsichtigsten gehört - trotz der bewunderungswürdigen Homogenität ihres Ensemblespiels. Überdies wird das noch zwei Jahre vor Beethovens und drei Jahre vor Schuberts Tod entstandene Opus zu einem allzu romantischen Werk (v)erklärt. Mehr als der viertelstündige Kopfsatz und das Andante überzeugen die beiden letzten Sätze, in deren irisierendem Elfengetümmel und Perpetuum-mobile-Gewirr wenig Raum für falsch verstandene, romantische Klangflächen bleibt.
Die romantische Emphase der Budapester passt besser zum 1920 entstandenen B-Dur-Gattungsbeitrag, den der 82-jährige Bruch sieben Monate vor seinem Tode schuf. (Die gelungene Kombination beider zeigt im Übrigen, wie "fortschrittlich" der 16-jährige Mendelssohn und wie "erzkonservativ" der 82-jährige Bruch dachte. Glaubt man Bruchs Oktett, dann gab es im Jahrhundert zwischen den beiden Kompositionen nur wenig Entwicklung!) Vermisst man bei der Mendelssohn-Einspielung mitunter dynamische Feinabstufungen, so bleiben beim Bruch-Spiel der Budapester keine Wünsche offen, vor allem die lyrischen Partien zeigen höchste Sorgfalt der Stimmführung. In summa also eine Oktett-Platte mit ebenso viel Licht wie Schatten.

Christoph Braun, 23.06.2006



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