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Jules Massenet

Ève

Drei-Nationen-Chor, Euregio Symphonieorchester, Jeanpierre Faber u.a.

Arte Nova/BMG 74321 58964 2
(57 Min., 7/1998) 1 CD

Wenn Adam und Eva nach Erschaffung letzterer verzückt gegenseitig ihre Schönheit besingen und von ihrer gemeinsamen “süßen Ekstase” schwärmen, dann kann man sicher sein - nicht nur wegen des französischen Librettos -, dass man kein deutsch-protestantisches Sünden- und Rache-Oratorium à la Mendelssohn hört, sondern ein französisches “Mystère”.
Zwar hat auch Jules Massenet in seiner 1875 komponierten dreiteiligen “Ève” der Handlungslogik des Geschehens Rechnung getragen - nach der Erschaffung folgt bekanntlich die Versuchung Evas und die Vertreibung aus dem Paradies hinaus ins irdische Arbeits- und Jammertal -, aber der musikalisch von Berlioz, Liszt und Wagner beeindruckte Massenet konzentriert sich in seinem geistlichen Drama vor allem auf lautmalerische Stimmungen, Innenleben und transzendente Sphären. Dafür stehen schon die vom Chor vorgetragenen Stimmen des Himmels, der Natur und der Nacht sowie die Geister der Hölle, die Eva bezirzen, doch vom Baum der Erkenntnis zu essen, “dont l'amour est le fruit” (dem Leser sei damit einer der Mängel des Beihefts vor Augen geführt, eventuell zum Wörterbuch greifen zu müssen).
Unter Jeanpierre Faber agiert das Euregio-Sinfonieorchester kräftig zupackend, doch auch zur piano-Kultur fähig, während der höchst engagierte Drei-Nationen-Chor intonatorisch mitunter in Schräglage gerät. Armin Kolarczyk verleiht den wenigen Partien Adams - der “Held” bleibt hier bei Massenet nicht ganz so unterbelichtet wie im Buch Genesis - eine sonore baritonale Fülle, während Angelo Simos’ tenorale Rezitator-Einlagen leider erst gegen Schluss die nötige intonatorische Sicherheit und Transparenz erhalten. Zwiegespaltenes gilt letztlich auch für die Titelpartie, deren exorbitante Höhen Susanne Geb großartig meistert, dafür aber auch dem tremolierenden Pathos zu sehr frönt. Gleichwohl: die Ersteinspielung ist eine Repertoirebereicherung im geistlichen Fach.

Christoph Braun, 31.05.1998



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