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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



Am Anfang ihrer Karriere bezauberte die Mezzosopranistin Magdalena Kožená das Publikum mit Liedern aus ihrer tschechischen Heimat (DG), und mit Arien aus Bach-Kantaten rührte sie im Rahmen von Gardiners "Cantata Pilgrimage" (DG) zu Tränen. Schon damals wanderte sie mit ihrer nicht sonderlich ausgeprägten Tiefe und ihrer erstaunlich hellen Stimmfarbe bei sehr gut ansprechender Höhe zwischen dem Mezzo- und dem Sopranfach hin und her. In der Folge galt es, das Repertoire und das Ausdrucksspektrum zu erweitern: Mit einem Händel-Kantaten-Programm stellte sie ihre Koloraturfähigkeit und ihre dramatische Kraft vor barockem Hintergrund unter Beweis. Vor zwei Jahren schließlich hörte man von stimmlichen Problemen munkeln. Seitdem freut sich der Rezensent bei jeder neuen CD von Magdalena Kožená, sie in passabler bis guter Form zu erleben, wenn sie auch jene Brillanz der ersten CDs nicht mehr allzu häufig wirklich erreicht.
Ihr neues Rezital mit französischen Opernarien gibt ihr reichlich Gelegenheit, große melodische Bögen zu spannen. Sie tut dies zweifellos druckfreier und leichter als im vergangenen Jahr Vesselina Kasarova (RCA), deren Programm "Nuit resplendissante" in vier Fällen deckungsgleich mit dem von Kožená ist. Im Vergleich fällt allerdings auch das deutlich größere dramatische Potential der Bulgarin auf, mit dem sie besonders in tieferer Lage, aber auch bei einigen Spitzentönen mehr zu elektrisieren vermag als Magdalena Kožená. Ein anderer Schwerpunkt des vorliegenden Recitals liegt auf koloraturreicheren Stücken; dazu gehört eine Arie aus Aubers "Domino noir", aber auch das "Schleierlied" der Eboli aus der französischen Fassung von Verdis "Don Carlos". An Lockerheit und Beweglichkeit für solche Musik mangelt es Kožená wahrlich nicht. Substantielle Probleme gibt es insgesamt eher dort, wo gewichtigere Legato-Linien durchzustehen sind. Kurzum: Auf CD macht sich der größte Teil dieser Anthologie recht gut, aber auf der Bühne würde einiges nicht ohne weiteres gehen, wie Kožená im Fall der Eboli auch selbst bekennt. Hoffentlich sehen sie und ihre Berater das auch im Fall von Bizets "Carmen" so: Die Chanson "Les tringles des sistres tintaient" aus dieser Oper hat sich nämlich an den Schluss des Rezitals verirrt, aber für die Carmen ist Magdalena Kožená einfach viel zu nett.

27.09.2003



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