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Giacomo Meyerbeer

Margherita d’Anjou

Annick Massis, Bruce Ford, Daniela Barcellona, Alastair Miles, Fabio Previati, London Philharmonic Orchestra, David Parry

Opera rara/Note 1 ORC 25
(71 Min., 10/2002) 1 CD

Giacomo Meyerbeer, ohnehin schon unterrepräsentiert, von noch unbekannterer Seite: Während seiner italienischen Jahre (1817-1824) komponierte er insgesamt sechs italienische Opern, darunter die 1820 für die Mailänder Scala geschaffene "Margherita d’Anjou", ein Melodramma semiseria. Hauptvertreter des komischen Anteils der Handlung ist der Barbier-von-Sevilla-ähnliche Mediziner Michele Gamautte, Leibarzt der Titelheldin. Gamautte, in dieser Aufnahme verkörpert von dem ausgesprochen wohltimbrierten und spielfreudigen Bariton Fabio Previati, liefert sich gleich im ersten Akt inmitten des Heerlagers von Margherita d’Anjou, der Witwe des englischen Königs Heinrich VI., ein unterhaltsames Duett mit Isaura, der liebeskranken und inkognito anwesenden Gattin des Geliebten der Margharita, wobei er unbekümmert den reinen Opportunismus in Liebesdingen proklamiert. Isaura wird verkörpert von der hinsichtlich ihrer Koloraturen flinken, im Timbre ein wenig muffigen Daniela Barcellona. Ihren untreuen Gatten, den Herzog von Lavarenne, gibt der wunderbar lyrisch-intensive und faszinierend höhensichere Tenor Bruce Ford mit großer Überzeugungskraft. Margherita bekommt recht jungendliche Gestalt verliehen durch die allenfalls gelegentlich etwas fahle Annick Massis; ihr Gegenspieler Carlo, ein Basso cantante, bleibt trotz sehr solider und versierter Gesangsleistung Alastair Miles’ streckenweise ein wenig blass. Insgesamt überzeugt sowohl die Aufnahme als auch das Stück selbst, letzteres durch Meyerbeers melodischen Einfallsreichtum und besonders durch seine vorzügliche Instrumentationskunst. Ein Lob auf das Label "Opera rara": Ein Werk wie das vorliegende würde ohne solches Engagement nicht nur eine opera rara, sondern schlichtweg eine opera incognita bleiben.

Michael Wersin, 10.01.2004



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