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Claudio Monteverdi

Sesto libro dei madrigali

La Venexiana

Glossa/Note 1 GCD 920926
(71 Min., 6/2004) 1 CD

Die Mitglieder des Consort of Musicke hatten es zurzeit ihrer Aufnahmen von Monteverdis Madrigalbüchern in den 80er und frühen 90er Jahren leichter, trug doch damals noch jene Ensemblekultur, die im Rahmen der historisierenden Aufführungspraxis überhaupt eine befriedigende Darbietung solcher Musik ermöglichte: Solistisch ausgebildete Sänger wuchsen auf der Basis einer vibratoarmen, klaren und reinen Art des Singens zu einem Klangcorpus zusammen, der intonationsrein und homogen wie ein einziges Instrument, aber doch gleichzeitig auch lebendiger und unmittelbarer als jedes Instrument agieren konnte. Von dort aus haben sich die interpretatorischen Mittel inzwischen beträchtlich erweitert: Hört man etwa Monteverdis Achtes Madrigalbuch in der Aufnahme des Concerto Vocale unter René Jacobs, so stellt man fest, das heute auch auf "historischer" Basis vibriert und an obere dynamische, ja auch an ästhetische Grenzen gegangen werden darf. Gerade die späteren Madrigalbücher Monteverdis, deren Musik zunehmend geprägt ist vom beständigen Streben nach neuen, nach noch authentischeren Formen des musikalischen Ausdrucks, stellen die Interpreten heute vor ein schwieriges Problem: Wie findet man zu einem angemessenen, akzeptablen Verhältnis zwischen purem Schönklang einerseits und möglichst expressiver, textnaher Ausgestaltung der einzelnen Vokalpartien andererseits?
Die Mitglieder von La Venexiana bewegen sich zwischen diesen Polen eher auf der "konservativeren" Seite, sie verlieren den Wohlklang niemals aus den Augen, sie opfern niemals, weder auf monodischen Pfaden noch im Ensemble, im Dienste eines Affektes die Integrität ihrer organischen, klassisch schönen Stimmgebung. Ihr Gesamtklang ist volltönend, durchdringend und warm, getragen vom profund-kernigen Bass Daniele Carnovichs und gekrönt von den substanzreichen Sopranstimmen Rossana Bertinis und Nadia Ragnis. Die Sänger intonieren hervorragend, bringen die Harmonien perfekt zum "Einrasten"; hinsichtlich des Ausdrucks verlassen sie sich in gewissem Maße auf das, was Monteverdi als Komponist in die Musik hineingelegt hat, was er u. a. im Streit mit den Theoretikern seiner Zeit an innovativen Stilmitteln entwickeln und erringen konnte. Sie unterliegen, bei großer agogischer, dynamischer und artikulatorischer Souveränität, nicht der Versuchung, immer etwas "machen" zu müssen, was sie als Interpreten vielleicht über die Grenzen des Kunstwerks hinaustreten lässt. Das ist sehr angenehm.

Michael Wersin, 24.09.2005



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