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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Claudio Monteverdi

L'incoronazione di Poppea

Cynthia Haymon, Brigitte Balleys, Ning Liang, Michael Chance, Harry van der Kamp u. a., Les Talens Lyriques, Christophe Rousset

Opus Arte/Naxos OA 0924 D
(219 Min., 1994) 2 DVDs

Eine schlechte Idee war es in den 1990er Jahren von Regisseur Pierre Audi nicht, für seinen dreiteiligen Monteverdi-Zyklus am Amsterdamer Opernhaus drei verschiedene Dirigenten zu verpflichten, um drei unterschiedliche Klang-Ansätze in der historischen Aufführungspraxis zu präsentieren. Auf Christophe Rousset folgten 1997 Stephen Stubbs (L'Orfeo) und ein Jahr später Glen Wilson (Il ritorno d'Ulisse in patria). Doch der Franzose Rousset hatte da die wohl größte Nuss zu knacken, weil bei "L'incoronazione di Poppea" die Partiturenlage mehr als mager ist. Für die Amsterdamer Fassung hielt sich Rousset an die kostenreduzierte Orchesterbesetzung, wie sie in Venedig üblich war, dünnte Rousset allein den Streicherbesatz seiner Talens Lyriques auf gerade mal fünf Instrumente aus. Aber mit einigen wenigen "Gastrollen" in der Blockflöte, im Kornett und in der Harfe entwickelt man gemeinsam Virilität, Plastizität und anrührende Schlichtheit, die an René Jacobs erinnert.
Hatte Audi gleichermaßen beim Sänger-Ensemble das richtige Händchen (stellvertretend: Cynthia Hayman als deklamatorisch bis in die Nervenspitzen aufgeladene Poppea), ließ er einmal mehr keinen Zweifel daran, dass er als Amsterdamer Opernintendant auf den Bürosessel und nicht auf den Regiestuhl gehört. In einer von Michael Simon spartanisch eingerichteten Bühne, die archaische Kargheit wie eine Mondlandschaft bietet, herrscht vollkommene Statik, dem das Sängerensemble entgegenzuarbeiten hat. Wenn aber Seneca in ein Zottelfellgewand gestopft wird, Dominique Visse als Nutrice wie ein Knuddelstoffbärchen aussieht und ansonsten außergalaktisch verkleidetes Personal sich in dieses postantike und abgedunkelte Universum verirrt, wird die Grenze zur Komik schnell überschritten.

Guido Fischer, 26.05.2006



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