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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 5

Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Riccardo Chailly

Decca 458 860-2
(71 Min., 10/1997) 1 CD

An guten Aufnahmen der Werke Gustav Mahlers herrscht kein Mangel. Allein von der bizarren Fünften sind etwa neunzig (!) Einspielungen nachweisbar. Trotz dieser fast erdrückenden Konkurrenz – ich nenne hier nur die früheren Referenzen Walter, Mitropoulos, Bernstein, Solti und Abbado – gelingt es Riccardo Chailly mit dem hervorragend disponierten Amsterdamer Concertgebouw-Orchester und einem durchaus ästhetisierenden, auf Wohllaut und Transparenz ausgerichteten Ansatz, neue Perspektiven in der unerschöpflichen Vielschichtigkeit des Mahlerschen Orchestersatzes zu erschließen und vor allem das wenig ruhmreiche Schicksal des "heimatlos" gewordenen Adagiettos rückgängig zu machen.
In Chaillys einfühlsamer, atmosphärisch-dichter, dabei enorm klangschöner Interpretation erscheint diese Traumsequenz mehr denn je als unverzichtbarer Bestandteil der sinfonischen Architektur, ja als entscheidende Etappe in der dreiteiligen dramatischen Fabel der Fünften, in der Mahlers fiktiver Held nach den Schwächungen der feindlichen Wirklichkeit (in den ersten beiden Sätzen) und den Albträumen des Scherzos im idyllischen Liebestraum des Adagiettos die nötige Lebenskraft zurückgewinnt für den optimistischen Aufbruch ins Rondo-Finale.
Paradoxerweise bewirkt Chaillys vorsätzliche Ästhetisierung der Mahlerschen Tonfälle selbst in dem von Kritikern beargwöhnten Jubel-Finale eine deutliche Abschwächung der übertrieben bejahenden Fröhlichkeit, und Mahlers "positive Wendung" erscheint nun weit weniger reaktionär als bei Dirigenten, die sich hier "kritisch" hinter ironischen Anführungszeichen verstecken.

Attila Csampai, 28.02.1998



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