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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 9

Cleveland Orchestra, Christoph von Dohnányi

Decca 458 902-2
(99 Min., 2/1994, 5/1997) 2 CDs

Christoph von Dohnányi, der im kommenden Herbst siebzig Jahre alt wird, nimmt sich für seinen Mahler-Zyklus viel Zeit: In knapp zwölf Jahren liegt jetzt mit der Neunten erst Folge sechs vor, und man spürt auch hier wieder sein Bemühen um Hochwertigkeit, um eine von jeder Augenblickstimmung losgelöste, objektiv-geschlossene Klanggestalt. So hat das bestens eingespielte Orchester aus Cleveland keine Mühe, neben aller Transparenz und Detailtreue die große lyrische Linie, den Sinnzusammenhang herzustellen, da sie aus einer klassizistischen Distanz auf Mahlers Abschieds-Botschaften blicken, aber jedes Pathos, jede überbordende Gefühligkeit meiden.
Hier spürt man die Pionierarbeit des großen George Szell, an die der Verstandesmensch Dohnányi nahtlos anknüpft, und so scheinen die starken romantischen Tendenzen der Neunten (die emotionale Tiefe der Ecksätze, die Bizarrerie der Binnensätze) stets “objektiv” eingebunden in eine lichte, farbenfrohe, mitunter ein wenig zu positiv leuchtende Architektur, die den Zuhörer aber nirgends emotional bedrängt oder überfällt, sondern auf eine intelligente und noble Weise die substantielle Schönheit und die innere Abgeklärtheit dieses letzten großen Meisterwerks der Tonalität entfaltet.
Selten klang der Adagio-Schlusssatz der Neunten so lyrisch fließend, unprätentiös, rhetorisch plausibel und schwebend auratisch wie in dieser natürlichen Interpretation eines wichtigen Mahler-Dirigenten, der sich bereits bestens eingestellt hat auf Mahlers neue Rolle als “Klassiker”.

Attila Csampai, 31.03.1999



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