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Gustav Mahler

Das Lied von der Erde

Waltraud Meier, Ben Heppner, Symphonieorchester des BR, Lorin Maazel

RCA/BMG 7 43216 79572 7
(62 Min., 5/1999, 2/2000) 1 CD

Nach den letzten Maazel-Aufnahmen, rhetorischen Beweisen virtuoser Pultkunst mit erkünsteltem Ergebnis, hat mich diese Aufnahme ausgerechnet des vielschichtigen Mahler-Spätwerkes mehr als überrascht. Sie ist bewegend. Vor kurzem kam Esa-Pekka Salonen mit einem lahmen "Lied", war bloß spröder Partiturverwalter und hatte allergrößtes Pech mit seinen Solisten; Plácido Domingo war ein völliger Ausfall (siehe Kritik).
Ben Heppner aber formt Rausch und Verzweiflung im "Trinklied vom Jammer der Erde" mit einer hinreißenden Haltung aufbegehrend heldischer Unbekümmertheit. Während viele Sänger die Weltschmerz-Pose in allen Abstufungen psychologischer Stimmumfärbung auszuloten suchen, wirft Heppner seine Blicke in die Verzweiflung in umso "abgründigerer" Kürze. Darin erinnert er an Fritz Wunderlich, wenn er auch ein härteres, heroischeres Timbre mitbringt.
Während Heppner die zarten Texte mit wenigen klugen Strichen zum Leben erweckt, macht Waltraud Meier beim "Einsamen im Herbst" große Oper, sodass ich schon dachte, das kann im "Abschied" wohl nichts werden. Doch gefehlt. Anstatt die geradezu würgende Trauer des Satzes allzu theatralisch zu inszenieren, vergisst sie nicht nur die Bühne, sondern auch die uneinholbare Innerlichkeit einer Kathleen Ferrier oder Christa Ludwig (siehe CD-Führer), um ganz sorgsam zu artikulieren und demütig an den Details der Artikulation zu feilen.
Und um dem wirklich wunderbaren Dirigat Maazels zu lauschen. Der dient seinen Sängern mit einer uneitlen Hingebung, opfert Heppner den ff-Orchesterabschluss des "Trunkenen", um ihm die Wirkung des Aufschwungs zum hohen a ("Lass mich betrunken sein") zu lassen. Und erhält dem halbstündigen "Abschied" eine herausragende, unpathetische Klangtransparenz. Die Ausdrucksfülle der Details ist hinreißend (Flötensoli!), das BR-Orchester folgt Maazel hochgespannt. Wie er das Crescendo vor jener unerhört bewegenden Anrufung der Schönheit hört, wie er nach danach ins Pianissimo-Zwielicht des Trauermarsches zurückkehrt, dem er das allzu Lastende nimmt, wie er die Ewigkeitserwartung des Schlusses tröstlich durchlichtet – dieses Musizieren ist von einer Erlauchtheit, die heutzutage ihresgleichen sucht.

Matthias Kornemann, 13.07.2000



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