home

N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



Responsive image
Alexander Skrjabin

Orchesterwerke

Königliche Philharmoniker Stockholm, Leif Segerstam

BIS/Klassik Center BIS-CD-1669/70
(1990-1992) 3 CDs

Beim Blick auf die Trackliste von Leif Segerstams Skrjabinbox glaubt man zuerst an einen Tippfehler: Fast 25 Minuten Zeit nimmt sich der Finne für das "Poème de l’extase", gegenüber den knapp 20 Minuten, die Koryphäen wie Stokowski und Mrawinsky einst zur Bewältigung dieser auskomponierten Hysteriekurve brauchten, entrollt sich das Stück bei Segerstam in Zeitlupe. Was im Konzertsaal eine Sogwirkung freisetzen kann, wirkt auf CD allerdings eher lähmend. Denn die Kunst eines Celibidache, die zusätzliche Zeit zu nutzen, um die Spannungsbögen weiter zu spannen, besitzt Segerstam nicht: Die Stockholmer Musiker phrasieren unter seiner Leitung zwar recht klangschön und gewissenhaft, doch ohne die Hysterie, die Skrjabins grandios überspannte Musik braucht. Der Funke, den Skrjabin im "Poème de’l extase" quasi aus dem Nichts schlägt, verglimmt schon nach einer Minute, weil der Prozess der orchestralen Energieübertragung von Instrument zu Instrument nicht mehr nachvollziehbar ist. Noch problematischer als bei den verknappten Poèmes wirkt sich Segerstams Bedächtigkeit bei den drei Sinfonien aus: Statt die großformatig dimensionierten Sätze durch eine Zuspitzung der dramatischen Kontraste aufzuladen, versinkt er immer wieder in dumpfes Brüten und diffusen Streichersound – Katerstimmung statt Drogenrausch. Das Allegro der zweiten Sinfonie beispielsweise, das bei Vladimir Ashkenazy in 5,52 Minuten zu einer agilen Lebenskampf-Episode wird, ist in Segerstams lethargischen 9’46 Minuten kaum mehr wiederzuerkennen. Eine überflüssige Wiederveröffentlichung.

Jörg Königsdorf, 30.11.2007



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Sanfter Umbruch: Die Jahre als Kapellmeister beim Fürsten Ésterhazy weiß Joseph Haydn als Experimentierfeld zu nutzen. Das zeigen nicht nur seine fast planvollen Erprobungen im Bereich der Sinfonie, deren weltweit geschätzter Könner er werden wird, sondern auch die solistischen Einsätze und in diesen Jahren entstandenen Solokonzerte. Wie auch Mozart kannte Haydn die Solisten, für die er schrieb alle persönlich, es waren meist seine Kollegen in der Hofkapelle. Die beiden überlieferten […] mehr


Abo

Top