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Joseph Haydn

Streichquartette op. 1

Petersen-Quartett

Capriccio/EMI 10 786/87
(98 Min.) 2 CDs

Nein, die Erde hat nicht gebebt, als Haydn die Königsgattung der Kammermusik gebar. Der junge Komponist weilte auf dem Lande und sollte Unterhaltungsmusik für eine adelige Viererbande schreiben. So ist es passiert ... Das Rühren in der Streichquartett-Ursuppe geschieht freilich noch unter freundlich-ungleichgewichtigem Plaudern; viel mehr als ein “hm - aha” bleibt dem Cello meist nicht zu sagen; Cellisten wissen, dass es erst ab op. 17 interessanter wird. Die beliebten harmonischen und rhythmischen Schocks und Vexierspiele werden bei Haydn erst in späteren Werken zur Regel.
Mutig also, wenn mit dem Petersen-Quartett sich ein junges und renommiertes Ensemble dieser Erstlinge annimmt. Und sie pressen das Maximum aus den fünfsätzigen Werken, bohren sich in die langsamen Sätze ein und bieten eine Menge bogentechnischer Finessen auf, um den manchmal noch etwas braven Menuetten ein kontrastreiches Profil zu geben. Mischen sich mal ein paar Takte Moll in die sonnige Spielfreude - bei den Petersens wird’s Ereignis.
Doch bei soviel wacher Spiellust ist eine milde Speise schnell versalzen. Dass im Adagio von Nr. 4 der zweite Geiger in ein nachhallendes Eckchen entfernt wird, ergibt zwar einen hübschen Echo-Effekt, wirkt aber etwas gewollt. Indes trüben solche kleinen Experimente das Hörvergnügen keineswegs; besonders die Quartette 3 und 6 sind kleine Schätze, die, angeregt durch diese engagierte Vorstellung, vielleicht wieder öfter gespielt werden. Der “richtige” Haydn beginnt eben nicht erst beim op. 33.

Matthias Kornemann, 31.05.1997



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