Responsive image
Joseph Haydn

Sinfonien Nr. 64 ("Tempora mutantur") und 45 ("Abschied")

Schlierbacher Kammerorchester, Thomas Fey

Hänssler Classic/Naxos CD 98.357
(53 Min.) 1 CD

Das waren noch Zeiten, als die Philharmonica Hungarica unter Antal Dórati vor Jahrzehnten die erste Gesamtaufnahme der Haydn-Sinfonien vorlegte. Trotz aller Neigung der Schallplattenindustrie zum Enzyklopädischen hat es keine vollständige Nachfolge, wohl aber Ansätze dazu gegeben. Nun schaltet sich ein weiteres Ensemble in das Rennen ein, um Haydn von vorne bis hinten im Originalklang zu beleuchten.
Bis zum 200. Todestag Haydns im Jahre 2009 soll der Haydn-Zyklus unter Thomas Fey vollständig sein, heißt es im Beiheft - und der Anfang ist viel versprechend: Fey entwickelt mit dem Schlierbacher Kammerorchester ein sehr feines Gespür für Haydns sinfonische Experimente. Herausragend ist auch die Gestaltung der langsamen Sätze - insbesondere in der Sinfonie Nr. 64, wo Fey die Patina der Partituren ebenso radikal wie behutsam abschabt, sodass die bunte Palette von Haydns Orchesterfarben ganz neu erstrahlt. Warum die 64. Sinfonie "Tempora mutantur" heißt, ist bis heute ein Rätsel – vielleicht ist es ja ein Hinweis auf die immense Modernität dieses Werkes, dessen harmonische Quergänge Fey sinnvoll herauskehrt, ohne mit aller Gewalt dem Hörer mit Ecken und Kanten das Hören schwer zu machen.
Zu bemängeln ist an dieser CD nur die Tatsache, dass man die Spielzeit nicht ausgenutzt hat: Eine weitere Sinfonie hätte durchaus Platz gehabt, und das "Rennen" um die nächste Gesamtaufnahme wäre dann schon eine Etappe weitergekommen.

Oliver Buslau, 30.03.2000



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Darm mit Charme: Auf dem Buchmarkt hat unser Verdauungstrakt schon vor einigen Jahren seine marketingverbauschte Renaissance gefeiert. Stimmt es, dass dieses hochkonzentriert von Nerven durchsetzte Organ in der Evolution die Leistungen des später ausgebauten Gehirns mit der Intelligenz des Gefühls vereinte? In der Alten Musik ist der Darm bereits völlig ekelfrei in aller Munde: als Darmsaite. Dazu wird nach der Schlachtung von meist Schafen und Lämmern der Darm gewendet, von Schleimhaut und […] mehr »


Top