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Joseph Haydn

Harmoniemesse, Schöpfungsmesse

Ann Monoyios, Barbara Hölzl, Jörg Hering, Harry van der Kamp, Tölzer Knabenchor, Tafelmusik, Bruno Weil

Sony SK 499583 2
(75 Min., 9/1998, 6/1999)

Von wegen verklärtes, schweres Spätwerk: Joseph Haydn war ein Meister mit barockem Dienst-Ideal: Als er sich als mit fast siebzig Jahren daran machte, seine letzten Werke zu schreiben, besaß er durchaus den Ehrgeiz, den Hörer sein Alter nicht anmerken zu lassen - und er hatte viel Mühe dabei: Er sei "an der neuen Mess sehr mühsam fleißig, aber noch mehr forchtsam, ob ich noch einigen beyfall werde erhalten können", schrieb Haydn, als er an der "Harmoniemesse" arbeitete, die seine letzte vollendete Komposition werden sollte.
Um Beifall brauchte er sich heute keine Sorgen mehr zu machen - am allerwenigsten im bayerischen Irsee, wo im Rahmen der Festivals "Klang und Raum" diese Einspielungen mit Originalinstrumenten entstanden. Haydns Messen erscheinen hier als rasante, musikantische Meisterwerke, fast schwerelos und transparent. Die aufgerauten Konturen, wie sie altes Instrumentarium nun einmal bietet, sorgen für eine faszinierende Durchsichtigkeit, die der Dirigent Bruno Weil in den Dienst eines großen Wetteiferns der Klanggruppen gestellt hat. Als besonders temperamentvoll zeigt sich der immens biegsame Tölzer Knabenchor, wobei man allerdings über die typischen Intonationsprobleme eines solchen Ensembles streckenweise hinweghören muss. Die Solisten, die Haydn mit nur wenigen selbstgefällig ariosen Passagen ausgestattet hat, fügen sich in unaufdringlich in das Gesamtbild ein.

Oliver Buslau, 21.09.2000



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