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Joseph Haydn

Klaviertrios Hob. XV: 27 - 30

Ensemble Trazom

Arte Nova/BMG 7 43219 28142 5
(73 Min., 11/2001) 1 CD

Hört man die Musik, die Haydn in London komponierte, gewinnt man unmittelbar den Eindruck, dass er sich dort richtig wohl gefühlt haben muss. Auch die späten Klaviertrios gehören zur Ausbeute der Londoner Zeit, und sie zählen zu den Höhepunkten von Haydns Kammermusikschaffen überhaupt: keine gehobene Hausmusik mehr wie in den Trios der frühen Jahre, sondern ausgewachsene Werke für den Konzertsaal, in denen Haydn ein souveränes Resümmee seiner kompositorischen Errungenschaften zieht - gleichzusetzen mit den herrlichen Quartetten op. 76.
Das Ensemble Trazom musiziert auf historischen Instrumenten, was gerade bei diesen Werken sinnvoll ist: Das Cello nämlich ist fast ausschließlich für das Bassfundament zuständig, und nur im Zusammenspiel mit einem Hammerflügel kann es seine Funktion hörbar behaupten - vom voluminösen Klang eines modernen Konzertflügels würde es übertönt werden. Die Musiker widmen sich den Trios mit Geschmack, Sachverstand und feinem Gespür für Klang-Balance, und sie zeigen sich gottlob freigebig, was die von Haydn vorgeschriebenen Wiederholungen angeht.
Trotzdem klingt mir ihre Interpretation allzu wohlerzogen und gediegen; auch in den so ausgeglichenen späten Kammermusikwerken verzichtet Haydn nicht auf die von ihm geliebten Überraschungen und einen meist feinen, gelegentlich aber auch zupackenden Humor - etwa im Finale "In The German Style" des Es-Dur-Trios Nr. 29. Davon ist in der Wiedergabe des Ensembles Trazom zu wenig zu spüren, und die Dynamik bewegt sich zumeist in einem gesunden Mittelbereich, ohne allzu viele Variationen. Diese Musik bietet wesentlich mehr Potenzial, als hier verwirklicht ist.

Thomas Schulz, 31.10.2002



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