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Joseph Haydn

Cellokonzerte C-Dur Hob. VIIb.1, D-Dur Hob VIIb.2, D-Dur VIIb.4

Gautier Capuçon, Mahler Chamber Orchestra, Daniel Harding

Virgin Classics/EMI 545 583-2
(66 Min., 5/2002 - 6/2002) 1 CD

Gautier Capuçon gilt vielen als junger Gott unter den Cello-Talenten. Mögen sich auch schon viele Interpreten der beiden Haydn-Konzerte den Klassikhimmel erobert haben - ihre Unsterblichkeit sollte keinen Nachwuchs-Olympier daran hindern, sich ebenfalls an die Erz-Klassiker ihres Fachs zu wagen. So können wir nun ein herausragendes C-Dur-Konzert von athletischer Schönheit bewundern: Der erste Satz wirkt trotz schneidig herausgemeißelten Marschcharakters nie militärisch und Capuçons Ton behält stets die sehnige Geschmeidigkeit des olympischen Ringkämpfers. Auch dem Mahler Chamber Orchestra unter seinem jungen Dirigenten Daniel Harding ist der wettkämpferische Ehrgeiz anzuhören. Ob kurz hingetupfte Begleitfigur, ob kurzer Einwurf der zweiten Geigen oder unspektakulärer Liegeton der Oboe: jede Note soll Zeugnis ablegen von der feurigen Präzisionslust, mit der hier gearbeitet wird. Überhaupt sind Capuçon und Harding keine Gottheiten vom Schlag des Prometheus, der mit aus Lehm geschaffenen Menschen provozierte; ihr Material ist der weiße Marmor, der die menschliche Bewegung in plastischer und zugleich aller Gewöhnlichkeit entrückender Ausdruckskraft auffängt. Dieser Ansatz wertet auch das unbekanntere, gar nicht von Haydn verfasste der beiden D-Dur-Konzerte zum Meisterwerk auf. Seine berühmtere, reifere und schönere Schwester wiederum wird auf diese Weise zu einer unnahbaren Göttin - die wir anbeten dürfen, bei der wir aber nicht auf Jacqueline du Prés melancholisches Mitgefühl oder auch nur Heinrich Schiffs sanfte Jovialität hoffen sollten. Was uns hier an Nähe versagt bleibt, liefern die spitzen Ohren der Aufnahmetechnik: so deutlich hört Capuçons Atem sonst wohl nur das Cello, das der Gott in Armen hält.

Carsten Niemann, 24.05.2003



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