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Joseph Haydn, Matthias Georg Monn

Cellokonzerte

Jean-Guihen Queyras, Freiburger Barockorchester, Petra Müllejans

harmonia mundi HMC 901816
(69 Min., 2/2003) 1 CD

Das Freiburger Barockorchester gilt nicht als Entdecker der Langsamkeit, aber hier haben sich die Musiker Zeit gelassen. Zum Vorteil der bekannten großen Cellokonzerte in C- und D-Dur von Joseph Haydn: deren Kopf- und Mittelsätze hört man selten so bedächtig und dennoch belebt durchgestaltet wie hier. Dass die Musiker am Ende von einzelnen Phrasen eher zum Semikolon als zum Komma tendieren und sich deshalb die Spannung in den Schlusssätzen nicht ganz so explosiv löst, wie vielleicht möglich, nimmt man da gerne in Kauf.
Deutlich ist die Interpretation aus dem Orchesterapparat heraus erfunden. Ob es die leitende Konzertmeisterin oder der sich in diesen Orchesterklang feinsinnig eingliedernde Solist war, der bei der Gestaltung die Federführung übernommen hat, lässt sich dabei schwer entscheiden. Die Durchsichtigkeit, die nie durch Farblosigkeit erkauft wird, kommt jedenfalls dem beiläufigen Detail eines Horneinwurfs ebenso zu Gute wie dem Solisten, den man bereits im Dickicht eines motivreichen Ritornells auf einem unscheinbaren Liegeton zum virtuosen Tigersprung ansetzen sieht. Das ist nicht das einzige Mittel, Spannung aus der Ruhe zu erzeugen: Queyras hält mit hellem, leicht näselndem Ton eine ganz eigene Balance zwischen belebtem Erzählen und sinnendem Gesang; vor allem aber beeindrucken die Musiker mit ganz ungewöhnlich feinsinnigen Abstufungen der Lautstärke, die beide Werke noch substanzreicher erscheinen lassen, als sie ohnehin sind.
Auch die Substanz des noch deutlich barocken Geist atmende Cellokonzert in g-Moll des Wiener Organisten Georg Matthias Monn (1717 bis 1750) hält den bedächtig prüfenden Blick der Musiker aus. Liebevoll wie ein alter Uhrmachermeister tupfen die Streicher selbst im Mittelsatz - einem Siciliano von herber schlichter Schönheit - die solistische Partie mit dem einfachen Werkzeug gliedernder Akkordeinwürfe ab.

Carsten Niemann, 10.07.2004



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