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The Last Recordings

Attila Zoller

Enja/Edel Contraire 0 63757 93492 9
(55 Min., 12/1997, 1/1998) 1 CD

Wenige Wochen vor seinem Tod hegte der schwerkranke Attila Zoller zwei Wünsche: Er wollte in seiner ungarischen Heimat ein Abschiedskonzert geben und in seiner Wahlheimat USA ein Album mit Standards einspielen. Das klingende Ergebnis aus Beidem ist dieses Album, ein wahrhaft würdiges Vermächtnis des liebenswürdigen Giganten der Gitarre, das mit seinem Fassettenreichtum auch einen guten Einstieg in Zollers Kunst ermöglicht.
Das amerikanische Album fertigzustellen war ihm nicht mehr vergönnt. Der unter Einfluss starker Medikamente stehende Musiker hielt keine ganze Studio-Session mehr durch. Und doch lassen die drei mit dem Pianisten Tommy Flanagan und dem Bassisten George Mraz eingespielten Standards keine Schwächen erkennen. Beide Gefährten improvisieren nicht nur einfallsreich und swingend auf dem gewohnt hohen Niveau, sie müssen gewusst haben, dass die nächste Session nicht mehr in dieser Welt stattgefunden hätte und gaben, wie Zoller selbst, alles. Da gibt es wunderbare kontrapunktische Dialoge mit Flanagan über "There Will Never Be Another You" (es wird wahrhaftig keinen zweiten Zoller mehr geben!) und ein an die Nieren gehendes "Lament".
Dass die unvollständige Session mit dem ungarischen Live-Material ergänzt wurde, ist kein Manko, zeigt sie doch Zoller auch als beachtlichen Komponisten. Mit dem Pianisten Szakcsi, dem als "Paginini des Kontrabasses" bekannten Aladár Pege und Imre Köszegi, dem wohl bekanntesten ungarischen Drummer, standen ihm kompetente Kollegen zur Verfügung. Vor allem faszinieren aber die Budapester Solo-Einspielungen, darunter das den Kirchenglocken seines ungarischen Geburtsortes gewidmete "Dream Bells": ein expressionistisches Meisterstück, das daran erinnert, dass Zoller einst als Free-Jazz-Pionier der Gitarre galt. Doch der gleiche Geist der Freiheit und Spontaneität waltete auch im improvisatorischen Wagemut, mit dem er im Alter wieder boppte.

Marcus A. Woelfle, 03.08.2000



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