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Johann Sebastian Bach

Präludien ohne Fugen (aus dem "Wohltemperierten Klavier")

Christian Zacharias

EMI 5 56489 2
(60 Min., 10/1996) 1 CD

Christian Zacharias liebt es extravagant: Bachs Präludien (zumeist) aus dem Wohltemperierten Klavier – aber ohne die dazugehörigen Fugen. Das ist wie 24 Vorspeisen ohne Hauptgang.
Davon kann es einem leicht schlecht werden. Warum also diese unendliche Folge von musikalischen Doppelpunkten ohne das erlösende Thema? Und die Vorspiele selbst nicht einmal komplett und in der vorgeschriebenen Reihenfolge, das berühmte h-Moll-Präludium aus dem ersten Band aber gleich dreimal – das bringt einigen "Groove" in die lahme Bude stocksteifer Enzyklopädie.
Ob es einen Sinn hat oder die Fantasie fördert, wenn man die drei letzten Akkorde des d-Moll-Präludiums auf einer Kirchenorgel reindonnern lässt, bleibt dahingestellt: Bachs Musik hält auch das noch aus. Aber innerhalb der Stücke – als Interpret – bleibt der Möchtegern-Exzentriker Zacharias eher konventionell bis prätentiös: Ein Drittel der Stücke lässt frische Denkarbeit erkennen, der Rest wirkt bemüht, fuchtelt mit dem intellektuellen Zeigefinger des modernen Bach-Denkers: Aber wirkliche Aura, Magie, Kontemplation und Ekstase bleiben aus. Da greift man doch lieber zu Goulds wirklich radikalen und wesentlich tiefer schürfenden Bach-Botschaften.

Attila Csampai, 01.12.1999



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