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Evening Falls

Jacob Young

ECM/Universal 9811780
(50 Min., 12/2002) 1 CD

Jacob Youngs bisheriger musikalischer Lebensweg spielte sich in zwei Welten ab. In Manhattan studierte der Gitarrist bei Saiten-Meistern wie Jim Hall oder John Abercrombie. Er lernte die amerikanische Tradition zu verinnerlichen, die Klangschönheit genauso wie die metallene Biestigkeit. Zurück in seinem Heimatland machte der 1970 in Lillehammer geborene Young dann gemeinsame Sache mit den Exponenten des neuen norwegischen Sounds. Der unvermeidliche Nils Petter Molvaer gehörte dazu. Und auch der orchestrale Flächenmaler Trygve Seim. Dessen polyphone Melancholie ist eines der auffälligsten Merkmale der ersten internationalen Veröffentlichung des Gitarristen. Auch wenn es nur ein Quintett ist, das da spielt - man vermeint, viel mehr zu hören.
Es liegt an der dichten Verzwirbelung der Melodiestimmen. Mathias Eicks Trompete, Vidar Johansens Bassklarinette und Youngs Gitarre umschleichen einander traurig galant; Mats Eilertsens Kontrabass kommentiert den nordischen Danse macabre mit tief tönenden Gegenlinien. Das würde möglicherweise alles in typischer Fjord-Gefälligkeit enden, wenn nicht Jon Christensens Schlagzeug ein ums andere Mal mit feinsinniger Destruktionslust ins Geschehen eingriffe. Christensen umspült die Zählzeiten, weicht das Metrum auf und sorgt dafür, dass das Quintett peu à peu den Schlick-Boden der Konvention unter den Füßen verliert. Zwei Welten treffen aufeinander. Das macht den eigentlichen Reiz von "Evening Falls" aus.

Josef Engels, 26.06.2004



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